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Feminismus - Ziel der Frauenbewegung oder neue Ideologie?

Feminismus - Ziel der Frauenbewegung oder neue Ideologie?

 

I. Ideologie: Der Begriff und sein Inhalt

"Ideo-", das Bestimmungswort des Begriffs Ideologie, bedeutet "Begriff, Idee, Vorstellung". Das Wort selbst war ursprünglich seinem Inhalt nach neutral, bedeutete eine "Wissenschaftsrichtung", die "praktische Regeln für Erziehung, Ethik und Politik zu gewinnen suchte". Seit dem Beginn des 19. Jh.s bezeichnete der Begriff eine "weltfremde Theorie, eine unechte Weltanschauung"1. Philosophisch betrachtet, handelt es sich jeweils um "eine institutionell verfaßte, gruppenbezogene Wahrheitsüberzeugung, die ihre Kraft nicht Wahrheitsgründen verdankt, sondern praktischen Interessen ... eine scheinwissenschaftliche Interpretation der Wirklichkeit im Dienste einer praktisch-gesellschaftlichen Zielsetzung, die sie rückläufig legitimieren soll."2 Erwähnt werden soll auch noch die marxistische Auffassung, die "jede Weltanschauung Ideologie nennt, da sie nur Spiegelung der wirtschaftlichen Verhältnisse je einer Klasse sei"3, ausgenommen natürlich die marxistische Ideologie selbst. Vor diesem Hintergrund ist die Frage an den Feminismus zu richten, ob es ihm lediglich um die Erkämpfung von Menschenrechten für die Frauen geht, oder ob es sich hier bei dieser geistigen Strömung um eine "Weltanschauung" handelt, die alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu erfassen sucht mit klaren politischen und sogar religiösen Zielen, mit totalitärem Wahrheitsanspruch, unabhängig und unkorrigierbar von der Realität.

 

II. Feminismus als Bewegung

a) Abgrenzung zur Frauenrechtsbewegung

Die meisten, die heute von Feminismus reden, sehen ihn in Verbindung mit der Frauenrechtsbewegung, die sich in Deutschland im Gefolge von Reformation und Aufklärung in Auflehnung gegen die Vorstellungen des Bürgertums von Rechten und Pflichten der Frau vor allem seit 1848 bildete. Im Vordergrund dieser Bewegung standen die Forderungen nach Bildungs- und Berufschancen wie für Männer auch für Mädchen und Frauen, einschließlich des Universitätsstudiums, dazu nach politischen Rechten und frauengerechterer Gestaltung des Arbeitslebens in der industriellen Gesellschaft. Diese Forderungen waren im Prinzip mit der Zulassung der Frauen zum Universitätsstudium zu Beginn dieses Jahrhunderts und mit der Erlangung des Wahlrechts nach dem ersten Weltkrieg in Deutschland erfüllt. "Wenn man die marxistischen Verbände einmal ausklammert, hatte die Frauenbewegung in aller Regel nicht die Absicht, den gesellschaftlichen Unterschied der Geschlechter überhaupt abzuschaffen." So äußerte Helene Lange, eine besonders einflußreiche Persönlichkeit der liberalen bzw. konfessionell neutralen Frauenbewegung: "Hat die Frau nur die Eigenschaften des Mannes ... in die Kulturentwicklung einzusetzen, so wird diese weit besser von den Männern versorgt. Die ganze Stärke der Frauenbewegung liegt einzig und allein in der Auffassung, daß die Frau ... anatomisch bis in die Zehenspitzen anders geartet ist als der Mann, es auch psychisch ist, daß sie also andere, bisher gering oder gar nicht vertretene Eigenschaften für die Entwicklung der Kulturmenschheit dienstbar machen kann."4

Während im französischen und englischen Sprachraum "Feminismus" in allgemeiner Bedeutung für das "Eintreten für Gleichberechtigung der Frau" verwandt wurde, wenn auch nicht frei von abwertender Bedeutung, galt es im deutschen Sprachraum bis in die Gegenwart hinein als Schimpfwort und diente keineswegs zur Selbstbezeichnung der Frauenbewegung.5

 

b) Abriß der Geschichte des Feminismus

- allgemein

Wenn es auch einige Vorläufer der femistischen Bewegung gibt, etwa die Anhänger Saint-Simons in der frühsozialistischen Bewegung5, ist seine eigentliche Entstehung doch klar faßbar. Sein wichtigster Ursprung liegt in den USA, in der Bewegung "Women's Liberation Movement", abgekürzt "Women's Lib". Im Beginn dieser Bewegung steht Betty Friedan, die einem i.a. durchaus berechtigten allgemeinen Unbehagen amerikanischer Frauen Ausdruck verlieh, daß nämlich "der höchste Wert und die einzige Verpflichtung der Frauen die Erfüllung ihrer Weiblichkeit sei" mit dem "Beruf: Hausfrau"6. Die eigentliche Frauenbewegung datiert man auf 1968. "Women's Lib" steht im Zusammenhang mit den Anti-Vietnam-Demonstrationen und Studentenunruhen dieser Zeit. "Neomarxistische Tendenzen verbanden sich mit einer allgemeinen Unzufriedenheit in der 'Gesellschaft'. Als "tiefgreifendste Unterdrückungsstruktur" wurde von den Feministinnen" aber nicht die kapitalistische Klassenherrschaft, sondern die soziale Vorrangstellung des Mannes" ausgemacht, die ihren klarsten Niederschlag in der Familie und ihren Strukturen fand. Dies führte bei den radikalen Vertreterinnen dieser Richtung sehr schnell zur Ablehnung von Familie und Schwangerschaft; diese "versklave" die Frau und sei "Deformation des Körpers zur Arterhaltung". Bei einer Reihe führte dies sogar zum Männerhaß bis zu Ausrottungsphantasien.7

 

- in Deutschland

In Deutschland kann das organisierte Vorgehen gegen den §218 als "Geburtsstunde" des hiesigen Feminismus bezeichnet werden. Initialzündung war ein Artikel der Illustrierten "Stern", in dem sich 375 z.T. prominente Frauen selbst der illegalen Abtreibung bezichtigten. In dieser Phase, die von 1971-1975 etwa dauerte, kam es zum ersten Zusammengehen unterschiedlicher Frauen und Frauengruppen. Die zweite Phase bis etwa 1977 ist gekennzeichnet durch großen Zulauf zu diesen Frauengruppen, die nun den "Gang nach innen" auf ihre Fahnen geschrieben hatten: "Bewußtwerdungsprozesse" zwecks "Selbsterkenntnis"; dies aber nicht mit dem Ziel der Besserung des eigenen Lebens, sondern mit dem der "Reflexion von Veränderungsmöglichkeiten und -strategien" zur "Besserung" der Lage der Frau in der Gesellschaft. Als Ergebnis dieser "Innenschau" erklärte man die weibliche Emotionalität zum Maßstab aller Normen und Werte. Daraufhin führte die dritte Phase, in deren Verwirklichung wir uns derzeit noch befinden, zur Entwicklung einer regelrechten "Gegenkultur" der Frauen, konkret faßbar in sog. "Frauenprojekten" aller Art, die in Form eines "Feministischen Netzwerkes" systematisch vorangetrieben werden mit dem Ziel, "die patriarchalischen Strukturen der Gesellschaft in Frage zu stellen und sie zu überwinden". Die Aktivitäten dieser Gruppen beziehen sich speziell auf "alternative Unternehmungen vor allem im gesundheits- und sozialpolitischen, im wissenschaftlichen und im Kulturbereich". Inzwischen existiert in Deutschland auch ein "gut organisiertes Kommunikationsnetz, das über autonome Frauenverlage und -buchhandlungen verfügt", und es gibt kaum einen gesellschaftlichen Bereich ohne eigenständige Fraueninitiativen. Ferner ist eine immer stärker werdende Aufspaltung des öffentlichen Lebens in einen männlichen und einen weiblichen Teil zu beobachten, ablesbar etwa auch in den Forderungen nach Quotierung bei der Ämtervergabe z.B. in den Parteien und in anderen öffentlichen Lebensbereichen.8

III. Ideologie des Feminismus

- Wurzeln, Richtungen

Die Ideologie des Feminismus ist nicht einheitlich. In ihrer Anfangsphase ist sie entscheidend beeinflußt von Simone de Beauvoir, der bedeutendsten der "Lebensabschnittsgefährtinnen" des existentialistischen Philosophen Jean Paul Sartre. In ihrem grundlegenden Werk "Le deuxième sexe" , das Alice Schwarzer die "Bibel des Feminismus" und Rita Süssmuth ihr "großes Vorbild" nennt, geht sie aus vom Freiheitsbegriff Sartres, nach dem der Mensch sich selbst "entwirft" in völliger Unabhängigkeit von einer wie auch immer vorgegebenen "menschlichen Natur" und damit auch von Gott. Demnach kommt man auch "nicht als Frau zur Welt, man wird es. Kein biologisches, psychisches, wirtschaftliches Schicksal bestimmt die Gestalt, die das weibliche Menschenwesen im Schoß der Gesellschaft annimmt."9 Da es aber nicht zu leugnen ist, daß die Frau in ihrem Leben durch biologische Abläufe erheblich stärker determiniert ist als der Mann, verwirft de Beauvoir alles Biologische an der Frau als "Entwürdigung", sieht den Mann deshalb als unendlich bevorzugt an und damit im Grunde das "Mannsein" als eigentlich erstrebenswertes Ziel.10 Ohne hier auf Einzelheiten eingehen zu können, sei jedoch dazu bemerkt, daß Beauvoirs Verhältnis zu Sartre, der sie dominierte, sie betrog und für den sie nach eigener Aussage zweimal abgetrieben hat, wohl für diese Einstellung ursächlich ist.11

Einen weiteren wichtigen Einflußfaktor für den Feminismus bildet der Marxismus. Es wurde schon erwähnt, daß an die Stelle des marxistischen Klassenkampfes im Feminismus der Antagonismus der Geschlechter tritt. Aber die Übereinstimmungen gehen noch weit darüber hinaus.

Wie der Marxismus geht auch der Feminismus von einem paradiesischen Urzustand aus, hier dem Matriarchat. Diese Zeit sei eine "egalitäre, herrschaftsfreie Zeit des Mutterrechts" gewesen, die sich auszeichnete "durch Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit (!), sexuelle Promiskuität und zutiefst demokratische Verhaltensweisen".12 Obwohl diese Vorstellung a-historisch ist und die Mehrheit der Feministinnen allmählich von ihr abrückt, wird dies speziell bei manchen Theologen noch als Ergebnis historischer Wissenschaft vorausgesetzt.13 Innerkirchliche Feministen wie Hans Schilling und der ehemalige Kurat der kfd, Weihbischof Gutting, bleiben bei dieser Vorstellung.14 "Die Übertragung des marxistischen Unterdrückungsschemas auf die Geschlechterbeziehung gehört zum feministischen Allgemeingut".15

Im Feminismus lassen sich in diesem marxistischen Rahmen zwei große Strömungen unterscheiden. Die erste zielt ab auf den "Abbau der Geschlechtsrollendifferenzierung". Man kann sie als "Gleichheitsfeminismus" bezeichnen mit deutlich androgyner, d.h. nivellierender mann-weiblicher Ausrichtung. Die andere und extremere Richtung stellt die weiblichen Eigenschaften an sich schon über die männlichen, so als sei die Frau aus sich heraus schon der bessere und eigentliche Mensch. Diese Richtung wird in der Literatur "Radikalfeminismus" oder auch „gynozentrischer Feminismus" genannt.16

 

- Ziele des Feminismus

Was nun die Ziele des Feminismus angeht, so lassen sich bei allen Unterschieden der einzelnen Richtungen doch fünf verschiedene Grundtendenzen erkennen, in denen sich alle einig sind.

Die erste Tendenz ist der Kampf gegen den sog. "Sexismus". Darunter versteht man die Benachteiligung und Unterdrückung der Frau aufgrund ihres Geschlechtes in allen Bereichen einschließlich der Sprache. Als Grund wird die "patriarchalische Struktur der Gesellschaft" genannt, die es demnach zu überwinden gilt, indem die Herrschaft des Mannes auf allen Gebieten überwunden werden muß. Angeblich kann die Menschheit nur so überleben, denn "der Mann" gilt als Synonym für "Ausbeutung, Verstümmelung, Vernichtung, Beherrschung, Verfolgung von Frauen" und damit für Krieg und jede andere Form von Gewalt- und Machtausübung.17

Aus diesem Grund ist die Überwindung des Patriarchats die allgemein anerkannte zweite Tendenz, an der man auch besonders deutlich den marxistischen Einfluß erkennt. Ziel ist die Rückkehr zu den paradiesischen Zeiten des Matriarchats ohne Privateigentum mit freier Sexualität einschließlich des Inzests. Da Ehe, Familie, Vaterschaft und Eigentum als Kennzeichen des Patriarchats gelten, werden sie abgelehnt und bekämpft. Der Vater ist Symbol von Herrschaft und Unterdrückung, was dann auf den "Vatergott der Christen" übertragen wird, der damit "Symbol einer repressiven, das heißt auf Unterdrückung beruhenden Gesellschaft" ist. Wie das Matriarchat für "Liebe, Geduld, Ausdauer, Hegen und Nähren" steht, so das Patriarchat für "Angst, Neid, Schuld und Scham". Die Überwindung des Patriarchats und die Veränderung der gesamtgesellschaftlichen Situation sind nur möglich durch "Netzwerke", die die Gesellschaft gleichsam unterwandern. "Durch Zersetzung der Familie, als dem Herd aller patriarchalischen Unterdrückung vor allem der Frau, durch freies orgiastisches Erleben der Sexualität, löst sich die Vätergesellschaft auf, und der Weg wird frei für den Neuen Menschen, der im Paradies des Matriarchats seine neue und endgültige Herrschaft findet."18 Dieser "neue Mensch" wird auch "homo noeticus" genannt.

In diesem konstruierten Gegensatz von Matriarchat und Patriarchat liegt nun auch die Klinkstelle zur Ökologiebewegung, denn da man behauptet, Umwelt- und Weltfriedensbedrohung seien Ergebnis der Dominanz patriarchaler Werte, kommt Rettung allein aus der Feminisierung der Gesellschaft. Daher müsse die Vorstellung von der Autonomie des Individuums aufgehoben und durch eine ganzheitliche - also "holistische" - Sicht des mit dem Kosmos verbundenen Menschen eines Neuen Zeitalters ersetzt werden. Die Überwindung des Patriarchats erscheint so als eine lebensnotwendige Umkehr von kosmischem Ausmaß. Die feministische, ehemals protestantische Theologin Elga Sorge sieht in der 'weltweiten Unterdrückung der Frau und einer von ihr inspirierten Kultur eine der entscheidenden Ursachen dafür ..., daß wir kurz vor der Zerstörung unseres Planeten stehen.' Sie fordert 'Befreiung der Frau aus patriarchalischen Unterdrückungszusammenhängen', diese Befreiung sei ein 'kulturrevolutionäres Ereignis, weil es phallokratische Männer auf die Idee bringen würde, die Erde in allen Dimensionen zu lieben, anstatt sie zu be-herr-schen, zu zerstören und zu vernichten.'"19 Das angestrebte Neue Zeitalter - New Age - wird also erst durch die Überwindung des so verstandenen "Patriarchats" möglich, was im Umkehrschluß bedeutet, daß der Feminismus wesensmäßiger Bestandteil eben dieser New Age-Bewegung ist.

Die dritte allgemeine Tendenz leugnet in konsequenter Folgerichtigkeit die Verschiedenartigkeit von Mann und Frau. "Frausein" ist lediglich Produkt eines aufoktroyierten Rollenverhaltens, dessen Kern und Zweck die Mutterschaft sei, die man für "barbarisch" und "ungesund" erklärt. Daraus folgt die Ablehnung der herkömmlichen Pädagogik, da sie auf diesen Unterschieden aufbaut, sowie eine kritische bis ablehnende Sicht der Familie. Auch hier stimmt der Kampf der Feministinnen gegen die "die patriarchalische Herrschaft stabilisierende Familie" mit dem der New Age-Bewegung überein, die ebenfalls "neue Formen des Zusammenlebens" entwickeln will.20

Entsprechend wird notwendigerweise als vierte Tendenz die "Sexualethik des Patriarchats" abgelehnt, weil sie familienstabilisierend und damit "repressiv" sei. Statt dessen fordert man die "vollkommen frei auslebbare Sexualität bis hin zum Lesbianismus und zum Inzest". Dies allein könne die Selbstverwirklichung der Frau garantieren. Und man sagt selbstbewußt voraus, daß in der zukünftigen Gesellschaft alle Formen des Zusammenlebens möglich sein werden, nur nicht das Zusammenleben eines Mannes mit einer Frau und ihren gemeinsamen Kindern in einem Einzelhaushalt.21

Die fünfte Tendenz zeigt die politische Dimension des Feminismus. Er strebt ein "neues Realitätsprinzip an, lehnt die gegenwärtige Gesellschaft ab und zielt auf die Schaffung eines neuen Werte- und Normensystems". Für diese "neue Gesellschaft" grundlegend ist das sozialistische Gesellschaftsmodell, da dort die als patriarchalisches System verstandene Klassengesellschaft überwunden ist. Nach Herbert Marcuse, einem der entschiedensten Vertreter des Neo-Marxismus, ist nach seinem Konzept des "feministischen Sozialismus" die Befreiung der Frau gleichsam der erste Schritt auf dem Weg zu dieser neuen Gesellschaft. Der revolutionäre Kampf sei daher feministische Pflicht, denn die "femininen Qualitäten: Rezeptivität, Sensitivität, Gewaltlosigkeit, Zärtlichkeit usw." seien den "herrschenden maskulinen: Herrschaft und Ausbeutung entgegengesetzt." Sie seien dem Bereich der Erotik zuzurechnen und stünden für die "Kraft der Lebenstriebe, gegen den Todestrieb und gegen die Destruktion." Marcuse: "Der feministische Sozialismus wird seine eigene Moral begründen und entwickeln müssen, die mehr und etwas anderes zu sein hätte als die bloße Absage an die bürgerliche Moral."22

 

Zusammenfassend kann man feststellen, daß es dem Feminismus um erheblich mehr geht als um Gleichberechtigung. "Die Feministinnen woll(t)en nicht mit den Männern zusammen für eine gerechtere Gesellschaft kämpfen, sie streb(t)en vielmehr eine Umverteilung der Macht zu ihren Gunsten an."23

 

- "Religion" des Feminismus

Bei aller Unterschiedlichkeit in Radikalität und Anspruch kann man doch von einer dem gesamten Feminismus im Rahmen seiner Ideologie gemeinsamen "Grundreligion" sprechen.

Das schon erwähnte a-historische Matriarchat, den vorgeblich "paradiesischen Urzustand", will man als "Friedensreich" wiederherstellen. "Wenn also die Frauen an die Macht kommen, wird es eine Welt ohne Krieg und Kampf und voller Friede und Wohlstand geben."24 - "Entsprechend der Matriarchatsvorstellung wollen Feministinnen sich das Wesen der Göttinnen aller erreichbaren Religionen und Kulte neu erschließen, um deren Weisheit in der Gegenwart nutzbar zu machen (zum Beispiel Artemis und Athene, Demeter und Hera, Isis und Astarte). Heide Göttner-Abendroth etwa sieht hinter jeder männlichen Göttergestalt eine ursprüngliche Muttergöttin, die vom Patriarchat verdrängt worden sei. Damit seien auch Lebenstüchtigkeit und Erkenntnisfähigkeit verlorengegangen, die nun durch die Belebung alter Kulte reaktiviert werden sollen. (...) Das feministische Denken und Handeln sieht in dem rational gesteuerten Denken der Männer die Ursache der Fortschrittskrise. Deshalb wendet es sich dem Irrationalismus zu. Die tiefere Weisheit sei in den alten Mythen und Geheimlehren zu finden. Magische, schamanistische und okkulte Praktiken werden angewandt, um die besonderen Geistbegabungen der Frau zu aktivieren. In den Hexen werden die eigentlich weisen Frauen erblickt, deren Heilwissen man erwerben möchte. All dies, so wird behauptet, sei nur Frauen möglich, weil sie in ganzheitlicher Weise mit der Natur und den Geisteskräften verbunden seien."25 Von hier aus wird dann auch verständlich, warum es einen "Ökofeminismus" sowie intensive Beziehungen zur Friedens-und Ökologiebewegung gibt mit "Müttergruppen" und "Frauenkreisen", deren Engagement von "alternativer Energiegewinnung" über "sanfte Technologie" bis zu "biologischem Gemüseanbau" reicht.26

 

IV. New Age und Feminismus

Da bisher häufiger vom "Neuen Zeitalter" oder "New Age" die Rede war, möchte ich einen kurzen, in diesem Rahmen leider nur plakativ möglichen Überblick über Geschichte, ideologischem Inhalt, Ziele und Methoden dieser Bewegung geben, denn obwohl der Name selbst inzwischen nur noch selten auftaucht, ist doch das Gedankengut mittlerweile in allen Teilen unserer Gesellschaft anzufinden und wird dort immer virulenter.

 

- Geschichte des NewAge

Gründerin der heute so genannten "New Age-Bewegung" ist Helena Petrowna Blavatsky (1831-1891), deren einziger Lebensinhalt es war, Okkultismus zu üben und zu verbreiten. Die von ihr 1875 gegründete "Theosophische Gesellschaft" kann als der Anfang des New Age (NA) bezeichnet werden. Die Ideologie der Theosophischen Gesellschaft ist gekennzeichnet durch Synkretismus mit dem Schwerpunkt östliche Religionen unter Ausschluß der monotheistischen Religionen Christentum, Judentum, Islam; durch extremen Evolutionismus, durch den Glauben an die Reinkarnation und an die Existenz von "Geistwesen" bzw. besonders weit "entwickelten" Menschen, die dann als angebliche "Meister" fungieren und die Menschen lenken. Sie selbst arbeitete mit diesen "Meistern", in ihrem Fall den Geistwesen", von 1867 bis zu ihrem Tod 1891 zusammen und verfaßte unter deren Einfluß und Diktat diverse grundlegende okkultistische Werke. Erwähnenswert scheint mir in diesem Zusammenhang, daß Rudolf Steiner, der "Vater" der Waldorfschulen, Mitglied dieser Gesellschaft war, ehe er die Anthroposophie begründete, die aber weiterhin große Affinitäten zur Theosophie hat.27

Kennzeichnend für die Theosophische Bewegung mit allen ihren "Ablegern" war von Anfang an ihr ausgeprägter Haß gegen das Christentum, besonders gegen den Katholizismus. Selbst in kabbalistisch-gnostischer Verdrehung konnte man Christliches nicht ertragen.28 Ziel dieser Gesellschaft ist es: "...sich dem Materialismus der Wissenschaft und jeder Form dogmatischer Theologie zu widersetzen, besonders der christlichen, die die Leiter der Gesellschaft (also die "Meister" oder "Geistwesen"; d.V.) für besonders schädlich halten; in westlichen Nationen die lange unterdrückten Tatsachen über religiöse Lehren des Orients und deren Ethik, Entstehung, Esoterik und Symbole bekanntzumachen; so weit wie möglich den Anstrengungen der Missionare entgegenzuwirken, die die sogenannten 'Heiden' hinsichtlich des wahren Ursprungs und der wahren Lehre des Christentums irreführen, sowie dessen praktische Auswirkungen auf die Öffentlichkeit und auf Einzelne in den sogenannten christlichen Ländern zu bekämpfen."29 Endziel dieser Gesellschaft ist die Heraufführung des "Antichrist" mit weltweiter totalitärer Herrschaft in allen Bereichen und einer natürlich heidnischen Welteinheitsreligion.30 Die "Meister", die eigentlichen Leiter der Gesellschaft, die sich mit ihrer Publikation "Lucifer" offen zu ihren dämonischen Ursprüngen bekannt hat, verboten den Gang in die Öffentlichkeit bis 1975. Aus dieser Geheimhaltungszeit stammt die Praxis der Geheimzeichen und Signalwörter, die von den New Agern bis heute beibehalten wird.31

Die Nachfolgerin Blavatskys war Annie Besant (1847-1933), die allerdings bei dem Versuch scheiterte, einen jungen Mann namens Krishnamurti (1895-1986) als Antichristen aufzubauen, denn durch den Einfluß seines Vaters scheiterte dieses Vorhaben 1929. Daraufhin bestimmten die "Meister" Ann Bailey (1880-1949) zur Führerin der Gesellschaft, eine ehemals christliche Lehrerin und geschiedene Frau eines Pfarrers der Episkopal-Kirche, ein Mensch mit brennendem Ehrgeiz und Geltungsbedürfnis, die sie durch ihre Stellung in der Theosophischen Gesellschaft und ihren Kontakt mit den "Meistern" befriedigen konnte. Hauptleistungen dieser Frau waren eine große Anzahl von Institutionsgründungen und ca. zwei Dutzend nach Art spiritistischer Medien "automatisch" geschriebene Bücher, die den sog. "Plan" zum Hauptinhalt haben, d.h. "präzise Anweisungen für die Jünger der 'Meister' in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts".32 "Diese Lehren lassen wenig bis gar nichts aus. Sie reichen von der Meinung der Hierarchie (das sind die "Meister"; d.V.) über Juden (negativ) bis zu Ernährungsregeln. Schritt für Schritt zur Errichtung des 'neuen Zeitalters' ist geplant. Die Anweisungen erstrecken sich von der Notwendigkeit der Errichtung einer neuen Weltordnung bis zum Gebrauch des Regenbogens als Erkennungssignal, Pläne für Religionskriege, zwangsweise, weltweite Verteilung der Güter, luziferische Einweihungen (sogenannte 'Initiationen'), planetarische Massenweihen, die Theologie der neuen Weltreligion, Abrüstungskampagnen, die Vernichtung oder Lahmlegung überlieferter Religionen, die nicht zur Zusammenarbeit bereit sind (...) Selbst die angebliche 'Heiligkeit' der 'Zahl des Tieres' - 666 - wird an wenigstens zwei Stellen erwähnt." Dieser "Plan" wird von der NA-Bewegung bis ins kleinste Detail befolgt.33

Es würde zu weit führen, hier die gesamte weitere Geschichte der Bewegung auszubreiten. Erwähnenswert scheint noch die "Findhorn-Community" in Schottland, sozusagen der "Vatikan" der Bewegung und eines ihrer geistigen Hauptzentren, ferner die Namen einiger wichtiger Mitglieder wie David Spangler, der Luzifer als "wahres Licht Findhorns"34 bezeichnete, Benjamin Creme und Fritjof Capra. Besonderen Einfluß auf die NA-Ideologie hatten außerdem George Gurdjieff, Pierre Teilhard de Chardin, H.G.Wells35 und C.G.Jung36.

Auch von den NA-Institutionen, die sich zu einem großen Teil engster Verbindungen zur UNO erfreuen, seien nur einige wichtige bzw. besonders bekannte genannt: Amnesty International, Greenpeace, Kinder Gottes (Jugendsekte), Zero Population Growth, Stanford Research Institute (SRI) in Palo Alto, Kalifornien; Pacific Institute, New Group of World Servers, Planetary Citizens, Planetary Institute for the World we choose, Unity-in-Diversity-Council usw.37 Besonders aufschlußreich sind die Beziehungen des NA zur Freimaurerei. Der Genfer Leiter der von Alice Bailey gegründeten "Arkanschule" zur Einführung in Magie und Okkultismus, die ihre Schüler zur Geheimhaltung verpflichtet, ist "gleichzeitig Generalsekretär der Universellen Freimaurerliga: 'Die Arkanschule betrachtet sich daher als <magnetisches Zentrum> der gesamten Freimaurerei.'"38,so seine eigene Aussage. Auch von den zum NA gehörigen mehr religiös-esoterischen Gruppen seien einige bekannte genannt: die Sufi-Gemeinschaften, das "Heimholungswerk Jesu Christi", "Weltumfassender guter Wille", Benjamin-Creme-Transmission-Groups, Lifeway, die "Christengemeinschaft" des Rudolf Steiner, Zen-Zentren und Meditationskreise, verschiedene spirituelle Yoga-Schulen, Sri Aurobindo-Gesellschaft, Hare-Krishna, Divine Light Mission des Guru Maharaj Ji, TM=Transzendentale Meditation des Maharishi Mahesh Yogi, Bhagwan und seine Bewegung usw.; in der Politik: die Esoterische Union und wesentliche Teile der "Grünen"39, wobei aber nicht zu verkennen ist, daß sich NA-Gedankengut auch massiv in den übrigen Parteien findet.

 

- Ideologie des New Age

Die Rede vom "Neuen Zeitalter" begründet sich aus der Astrologie, wo angeblich das Sternbild der Fische als Bild des Christentums nun abgelöst wird durch das Sternbild des Wassermanns, dessen Zeitalter man auch das "ökologische" nennt. Seinen Beginn setzt man frühestens 1950, spätestens 2143 an.40 Hauptlieferantin der NA-Ideologie ist die schon genannte Alice Ann Bailey. "In ihren Schriften verherrlicht sie den Teufel, proklamiert die Selbsterlösung des Menschen und verkündet die neue Welteinheitsreligion. Der bunte Regenbogen, wichtigstes Wahrzeichen der New-Age-Bewegung, bedeutet für Alice Bailey die Brücke zwischen der Geistigen Hierarchie und den Menschen, biblisch gesprochen: das Sich-Ausliefern an die Dämonen. Sie beruft sich auf 'Chistus', fordert aber gleichzeitig die Vernichtung der katholischen Kirche. Gegen deren Einfluß hält sie selbst den Einsatz von Atombomben für geboten. Die weitverbreitete 'Große Invokation', die 'Große Anrufung', die den Humanismus der 'One World' herbeiführen soll, versteht sich nicht als Gebet, sondern ist eher eine Beschwörung magischer Kräfte."41 "Gemeinsam ist dem New-Age-Gedankengut eine Tendenz zum Monismus und Pantheismus, d.h. es gibt keinen seinsmäßigen Unterschied zwischen Gott und Mensch. Die Welt...ist mit Gott identisch. (...) Die innere Gemeinschaft mit Gott ist ... kein Geschenk, das der persönlichen Liebe Gottes entstammt und nach dem Sündenfall durch Christus neu erworben wurde, sondern eine immer schon bestehende Selbstverständlichkeit. Eine Versenkung in das eigene Ich ist der entscheidende Weg, sich selbst zu erlösen."42 Zu diesem Zweck müsse jeder das "Christusbewußtsein" in sich entwickeln, denn "jeder Mensch sei ein möglicher Christus", und Jesus habe genau dies besonders perfekt getan. Auf diese Weise finde der Mensch "Gott in sich"43, d.h. er vergöttlicht sich selbst.

Der mehr unbekannte bzw. sehr verschleierte Teil der NA-Ideologie hat eine mehr als erstaunliche Ähnlichkeit bis völlige Identität mit der Ideologie des Nationalsozialismus. Constance Cumbey stellt in ihrem Werk "Die sanfte Verführung" beide Ideologien nebeneinander und zeigt, daß sie in allen wesentlichen Stücken bis zur Symbolik identisch sind, einschließlich eines dumpfen Antisemitismus und speziellem Katholiken- bzw. Christenhaß. Extremen Antsemitismus äußerte Alice Bailey noch 1949, als das Schicksal der europäischen Juden allgemein bekannt war44, und ihr Ehemann Foster Bailey bezeichnete noch 1972 Hitler als "Jünger der Bewegung".45 Gleichzeitig weist Cumbey hin auf die bislang noch wenig bekannten okkulten Wurzeln des sog. "Dritten Reiches"46.

Die für die angebliche Vergöttlichung des Menschen benutzten Methoden gehen aus vom "rebirthing", d.h. von der Überzeugung, daß alle Weisheit bereits in unserem eigenen Inneren verborgen sei und wir sie nur durch bestimmte Techniken ans Licht holen müßten. Zu diesen Techniken gehört in erster Linie die Meditation nach östlicher Lesart als völliges Entleeren des Bewußtseins unter Aufgabe der Willenstätigkeit47, ferner alle Psychotechniken, die der "Bewußtseinserweiterung" dienen wie z.B. Hypnose, Sufismus, Biofeedback, TM, Yoga usw.48 Um diesen Prozeß abzukürzen, empfiehlt man von NA-Seite die Benutzung "bewußtseinserweiternder Drogen" wie LSD, Meskalin und anderer Psychedelika.49 Ziele sind Erfahrungen mit Geistwesen", "Erleuchtung", "telepathische Erlebnisse und mystische Erfahrungen wie das Erblicken eines Lichtes".50 Letztes Ziel all dieser Übungen ist der "homo noeticus", eine "neue Species" mit Quasi-Göttlichkeit.51

Das Vehikel zur Verbreitung der NA-Bwegung und ihres Gedankengutes ist die Bildung von "Netzwerken" oder auch "Segmentierten, Polyzentrischen, Integrierten Netzwerken", abgekürzt SPIN. Der Vorteil dieser Zusammenschlüsse, die alle auf der informellen und personellen Ebene liegen, ist die für geordnetes Funktionieren grundsätzliche Entbehrlichkeit der Teilgruppen. Grundlage dieser SPINs ist die sog. "Synergie", das "Zusammenwirken von Kräften". Marilyn Ferguson, eine der Hauptprotagonisten des NA dazu: "Die Verschwörung im Zeichen des Wassermanns ist eigentlich ein SPIN aus SPINS, ein Netzwerk aus vielen Netzwerken, das auf eine gesellschaftliche Transformation abzielt." - "Ihr Zentrum findet sich überall. Obwohl viele gesellschaftliche Bewegungen und sich gegenseitig unterstützende Gruppen an ihren Bündnissen teilhaben, hängt ihre Existenz von keiner einzelnen Gruppierung ab."52 Um den einzelnen für die NA-Ziele gefügig zu machen, werden bei NA-Veranstaltungen, als "Entspannungsübungen" getarnt, tiefe Hypnosezustände erzeugt, in denen die Teilnehmer dann aber nach entsprechender NA-Programmierung belassen werden53, oder es werden andere Psychotechniken angewandt, deren Ziel es aber jeweils ist, trance-ähnliche Zustände zu erzeugen, die dann Manipulation ermöglichen.54

 

- Erkennungszeichen des New Age

Um diesen Abriß zu vervollständigen, seien noch einige wichtige NA-Paßwörter und Symbole genannt. Außer dem schon genannten Regenbogen ist dies ein endlos in sich verflochtenes Band in der Form eines dreiblättrigen Kleeblattes, ferner das Yin-Yang-Zeichen, das Einhorn, sowie die Mehrheit esoterischer und buddhistisch-hinduistischer Symbole. Sprachlich auffallend sind die NA-Neologismen wie z.B. Netzwerk; globales Dorf; Vernetzung und vernetztes System; Bewußtseinsveränderung; dezentrale Strukturen; Paradigma, neu und alt; Weltenbürger; transpersonal; Psychosynthese; Raumschiff Erde; Gaia; Hologramm; holistisch; ganzheitlich in allen Bezügen; sanft desgleichen z.B. bei "sanfter Technologie"; Wassermannzeitalter; außerdem die Fülle der esoterischen Begriffe.55

 

- New Age und Ökologie; Beziehung zum Feminismus

Zwischen "Ökologie und Feminismus des Wassermannzeitalters", also dem NA, bestehen nach Ansicht seiner führenden Vertreter notwendige Beziehungen. So sieht Fritjof Capra den "spirituellen Gehalt der ökologischen Weltanschauung" ideal ausgedrückt "in der von der Frauenbewegung befürworteten feministischen Spiritualität - was angesichts der naturgegebenen Verwandtschaft zwischen Feminismus und Ökologie, die in der uralten Gleichsetzung von Frau und Natur wurzelt, zu erwarten ist. (...) Wie zahlreiche feministische Autoren in jüngster Zeit hervorgehoben haben, scheint das Vorstellungsbild einer weiblichen Gottheit diese Art von Spiritualität mehr zu verkörpern als das eines männlichen Gottes."56 Laut Capra kommt der Frauenbewegung bei der Verbreitung des New Age eine Schlüsselrolle zu.57 "Radikale Vordenkerinnen der Frauenbewegung des New Age fordern einen Ersatz der christlichen Religion durch den Mythos von Gaia, der 'Mutter Erde'. Umdeutungen des christlichen Glaubens in bezug auf das Geschlecht Gottes werden als nicht ausreichend abgelehnt. (...) Dazu schreibt C. Spretnak, eine Vertreterin des New Age: 'Was könnte der Beitrag der Religion sein zur Beseitigung des kulturell bedingten Vorurteils, die Frauen seien das andere, die Männer gottähnlich und damit höherstehend? (...) Wir kennen die Antworten und sie werden schon ausprobiert: Frauen müssen gleichberechtigt an Ritualen beteiligt sein (als Pfarrerinnen, Rabbis und Priesterinnen); die Sprache der Predigten und Übersetzungen muß die Frauen miteinschließen; und die Gottheit muß sowohl männlich als auch weiblich verstanden werden. Diese Lösungen sind nicht neu, und sie sind auch nicht effektiv ...viele Menschen ...stehen ...diesen Bemühungen widerstrebend gegenüber und finden die Vorstellung eines weiblichen Gottes albern und peinlich. Sich zu zwingen, hin und wieder <Gott, die Mutter> zu sagen, ist sinnlos, wenn sich die Menschen dabei einen Jahwe in Röcken vorstellen. Zuerst müssen sie begreifen, wer SIE ist: SIE ist nicht im Himmel; SIE ist die Erde. Hier ist IHRE Manifestation in der ältesten Schöpfungsgeschichte der westlichen Kultur: der Mythos von Gaia.'"58

 

- Zusammenfassung

Aus dem bisher Dargestellten läßt sich m.E. klar entnehmen, daß die feministische Bewegung nichts Unabhängiges und Eigenständiges ist, sondern Teil und sogar Vorhut der sog. NA-Bewegung. Sie fungiert als Stoßtrupp, um über die Frauen sowohl eine neue Gesellschaftsordnung als auch eine neue Religion durchzusetzen. Um es biblisch auszudrücken: Die Schlange geht nicht zu Adam, sondern sie verführt erst Eva, hier wie dort mit dem Versprechen der Unsterblichkeit, jetzt Reinkarnation genannt, mit dem der absoluten Überlegenheit durch Göttlichkeit - im NA: "entwickelt den Gott/die Göttin in euch bzw. ihr seid es in Person" - und mit dem irrealen Ziel, selbst bestimmen zu können, was gut und böse ist.

 

Wie steht es nun mit dem Einfluß des Feminismus auf das Christentum und dessen Verhältnis dazu?

 

V. feministische Theologie

- Entwicklung

Nach dem bisher Dargestellten, dem entsprechend seinem Ursprung aus dem NA der primär religiöse Anspruch des Feminismus zu entnehmen ist, kann es nicht verwundern, daß sich diese Richtung sehr schnell den Weg in die christlichen Kirchen suchte. Es wird in den folgenden Ausführungen nicht ausdrücklich getrennt zwischen dem Einfluß auf die katholische Kirche und dem auf die protestantischen kirchlichen Gemeinschaften, da es in diesem Bereich insgesamt mehr Übereinstimmungen als Unterschiede gibt. Wo es sich um primär katholische Vorgänge handelt, wird dies ausdrücklich vermerkt.

Grundsätzlich ist festzustellen, "Die Feministische Theologie überträgt ...die Grundmuster femistischer Kritik auf den religiösen Bereich."59 Erste Treffen feministischer Theologinnen gab es Anfang der 70er Jahre in den USA. Die eigentliche "Geburtsstunde" dieser Theologie ist aber das Buch von Mary Daly, Beyond God the Father, von 1973. Amerikas feministische Theologinnen knüpften zunächst bei der Frühzeit der amerikanischen Frauenbewegung an, die die Bibel als "Produkt von Männern" betrachtete, sie als Waffe gegen die Frauenemanzipation beargwöhnte und ihren Offenbarungscharakter leugnete.60 "Maßgebend für die Entstehung der Feministischen Theologie im katholischen Raum ist nicht zuletzt das Engagement für das Frauenpriestertum. ... Vor allem in den USA ist die Bewegung für das Frauenpriestertum bis heute ein wichtiges Ferment, das die Feministische Theologie geprägt hat. Viele Feministinnen haben freilich gar keinen Wunsch nach einem Amt, das schon als solches unterdrückende Strukturen befestige. Andere wollen in die 'patriarchalische Struktur' einbrechen, um sie von innen her zu verändern. Kennzeichen für die USA sind radikale Ordensfrauen, welche die Vorreiterinnen oft selbst des weltlichen Feminismus gebildet haben."61 Dabei sind sich die Theologie der Befreiung und die Feministische Theologie gemäß ihres übereinstimmenden marxistischen Ansatzes sehr nahe. Auch hier wird - wie im sog. "weltlichen" Feminismus - lediglich die Unterdrückung der "Armen" durch die der Frau ersetzt.62 Die feministischen Theologinnen machen die weibliche Erlebnisweise als sog. "Erfahrung" zum Maß des Theologisierens überhaupt. Entsprechend lehnt man das "konsequent logische Denken" der "extrem verkopften alten Theologie" ab und fordert statt dessen ein "erfinderisches, improvisiertes Handeln, weniger Sachlichkeit, größere Zweideutigkeit", statt einer "Theo-logie" eine "Theo-poesie" bzw. "Theo-phantasie". Publizistisch gefördert wird die Feministische Theologie seit etwa 1976 vom sog. "progressiven" katholischen Lager. "Seit den 80er Jahren gibt es mehrere feministisch-theologische Zeitschriften - im deutschen Sprachraum gleich zwei ('Schlangenbrut' aus Münster, seit 1983, und 'Fama' aus Basel, seit 1985) - und eine ganze Reihe von 'Netzwerken', die Feministische Theologie in die Praxis umsetzen wollen."63

1977 erhielt Catharina Halkes einen Lehrstuhl für "Feminismus und Christentum" an der Katholischen Universität Nijmegen, der bis heute vom zuständigen Bischof nicht genehmigt ist, ohne daß dies in der Universität zu Konsequenzen geführt hätte. Weitere bekannte und einflußreiche Feministinnen sind: die Protestantin Elisabeth Moltmann-Wendel, Ehefrau des Tübinger "politischen Theologen" Jürgen Moltmann, mit besonders großen Einflußmöglichkeiten über die jährlichen Tagungen der Evangelischen Akademie Bad Boll; ferner die Münsteraner Theologin Hedwig Meyer-Wilmes. Feministisch-theologische Lehrstühle sind beabsichtigt bzw. bereits eingerichtet an den Universitäten Bonn und Münster. Im evangelischen Bereich wurden die beiden Leiterstellen des neu gegründeten "Frauenstudien- und Bildungszentrums" in Gelnhausen bei Fulda mit zwei bekannten Feministinnen besetzt, eine davon "ausdrückliche Verfechterin der Gleichstellung, ja Höherstellung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften von zwei und mehr Partnern mit der Ehe."64

 

- Inhalte und Methoden; innerkirchliche Reaktionen

Auch in der Feministischen Theologie unterscheidet man unterschiedliche Richtungen, man kann aber auch hier zwei Hauptströmungen ausmachen. Die erste versucht "nur", Christentum bzw. Judentum im feministischen Sinn "neu zu interpretieren", die Vertreterinnen dieser Richtung neigen dem "androgynen" Feminismus zu. Die zweite Richtung, der sog. "Göttinnenfeminismus", vertritt den "gynozentrischen" Ansatz.65

Bevorzugtes Betätigungsfeld der Feministischen Theologie ist die Exegese des AT und NT. Beides versucht man aus feministischer Sicht zu "reinigen" und umzuinterpretieren, besonders "unbeliebt" ist dabei das AT. Ebenso ergeht es der Kirchengeschichte, die mehr oder weniger als Geschichte des Patriarchalismus gedeutet wird. Darüber hinaus gibt es noch Versuche, "die Ethik und verschiedene Bereiche der Dogmatik feministisch zu deuten."66 Auch hinsichtlich der angewandten Methode gibt es zwei Hauptrichtungen, die eine mehr befreiungstheologisch-soziologisch, die andere tiefenpsychologisch in Anknüpfung an C.G.Jung. Für die mehr soziologisch orientierte sog. "gemäßigte" Richtung stehen Namen wie Rosemary Ruether, Elisabeth Schüssler Fiorenza, Catharina Halkes, Elisabeth Moltmann-Wendel; für die tiefenpsychologische Christa Mulack, Hildegunde Wöller, Jutta Voss und Elga Sorge.67

 

Wie ist nun die Reaktion der Kirchen?

In der evangelischen Kirche geht der Widerstand gegen diese Art von "Theologie" in erster Linie von den "evangelikalen" Kreisen aus, die zwar nur einen sehr kleinen, aber geistig um so regeren Teil dieser Gemeinschaften ausmachen.68 In der katholischen Kirche ist diese Art von "Theologie" offiziell noch nicht derart virulent, hat aber seit langem auch hier ihre sehr rührigen Verbreiter. "Besonders in den oberen Führungsetagen der 'Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands' (kfd) findet man für die Feministische Theologie weitgehende Sympathien, die sich in der Bildungsarbeit und in der Verbandszeitschrift 'Frau und mutter' (!) immer deutlicher ausprägen."69 Dies zeigt sich z.B. an Beiträgen der langjährigen Generalsekretärin Anneliese Lissner unter Titeln wie: "Erneuert euch in eurem Denken" (das "New-Thinking" der New Ager!) oder "Seid nicht so geduldig! Warum der Kirche widersprochen werden muß" mit einem Vorwort von Rita Süssmuth. In die gleiche Richtung geht eine Veröffentlichung von Ruth Ahl, die von 1974-1986 leitende Redakteurin von "Frau und mutter" war, wo unter dem Titel "Eure Töchter werden Prophetinnen sein" eine Einführung in die Feministische Theologie gegeben wird. Die gleiche Linie verfolgte auch der ehemalige "geistliche Hauptprotektor der kfd", Weihbischof Gutting, der in einem Vortrag im Juni 1987 in der Universität Münster unter dem Titel "Offensive gegen den Patriarchalismus. Für eine menschlichere Welt" die "vielen wertvollen Ansätze der feministischen Theologie" anerkannte.70 Von den seltenen Äußerungen residierender oder auf andere Weise herausragender Bischöfe zur Feministischen Theologie ist die des niederländischen Kardinals Simonis bedenkenswert: Eine "Förderung weiblichen Wirkens und eine Theologie des Frauseins" sei eine "wichtige Aufgabe der Kirche". Hierfür sei die Feministische Theologie aber nicht geeignet. "Sie leugne die Grundwahrheiten des Glaubens, verwerfe die Offenbarung, entstelle das Gottesbild, mißbrauche den heiligen Geist und zeichne ein falsches Bild von Maria. Besessen vom Spukbild des Sexismus, lockten die Feministinnen die Menschen weg von Gott und der Kirche. Es sei außerordentlich traurig, daß gerade die Frauen in dieser Art über die Kirche herfielen, sie sogar verlassen und Mann und Kinder mitnehmen. Er gestehe zu, daß der Frau nicht immer der ihr angemessene Platz in der Kirche gewährt worden sei, aber die Feministische Theologie errichte eine neue Kirche, die mit der göttlichen Offenbarung, der auch die Männer unterworfen seien, nichts mehr zu tun habe. Aus Empörung über diese vorgeblich 'frauendiskriminierenden' Äußerungen strengten Feministinnen gegen Kardinal Simonis zwei Gerichtsverfahren an, die sie freilich verloren."71 Negativ zum Feminismus äußerten sich auch Kardinal Ratzinger sowie Erzbischof Degenhardt von Paderborn, ebenfalls "eher kritisch" Bischof Lehmann. Eine "indirekte Antwort" auf den Feminismus ist das Apostolische Schreiben des Papstes "Mulieris dignitatem" von 1988, das die biblischen Grundlagen des katholischen Frauenbildes entfaltet. Beim Ad-limina-Besuch der US-amerikanischen Bischöfe 1993 verurteilte Johannes Paul II. den "extremen Feminismus, der den christlichen Glauben untergrabe."72

 

- Hauptvertreterinnen

Die Feministische Theologie ist geprägt von der Spannung zwischen Transzendenz und Immanenz Gottes, die einseitig zugunsten der Immanenz entschieden wird. Das Christentum geht auf die Selbstoffenbarung Gottes zurück, ist damit also Ausdruck seiner Transzendenz. Aus feministischer Sicht wird dies als "patriarchalische Degeneration verstanden, die die matriarchalische Urreligion frevelhaft verdrängt und an die Stelle der freiheitlich-liebevollen Göttinnen jener paradiesischen Epoche die 'sado-masochistische Sündenideologie' der Bibel gesetzt habe."73 Gleichzeitig werden die Eigenschaften Gottes umgedeutet. "Die Allmacht Gottes etwa ist Ausdruck von Fanatismus und Imperialismus, Tod und Auferstehung Jesu Christi sind Degenerationen des matriarchalischen Mythos der Reinkarnation. Ziel der feministischen Theologie ist es daher, über diese Aufdeckung der patriarchalischen Strukturen zu einer Wiederversöhnung von Christentum und Matriarchatsreligion zu kommen."74 Auf katholischer Seite steht für diese Ansichten Rosemary Radford Ruether, seit 1976 Professorin an einer protestantischen(!) Theologischen Hochschule in den USA, die Niederländerin Catharina Halkes, bis zu ihrer Emeritierung 1986 Lehrstuhlinhaberin an der Katholischen Universität Nijmegen, sowie deren Nachfolgerin Hedwig Meyer-Wilmes, "die bei ihrem Dienstantritt noch nicht promoviert war."75

Herausragende "Ziehmutter" der feministischen Theologie im katholischen Bereich und für den Feminismus im allgemeinen ist die Amerikanerin Mary Daly, eine ehemalige Ordensschwester, die als Prototyp und Kulminationsfigur feministischen Gedankenguts angesehen werden kann, sowohl in der von ihr vertretenen Ideologie als auch in ihrer persönlichen Entwicklung. Der "Sexismus des Christentums", so sagt sie, zeige sich bereits in der Gestalt Christi selbst und speziell in der Marienverehrung, denn dort habe das Christentum "die alte Muttergöttin der Urzeit 'in Ketten gelegt'."76 Daly gibt dem Christentum die Schuld an der Ausbeutung der Erde und der Hochrüstung, es betreibe "Vergewaltigung als Lebensweise". Sie ruft daher alle Feministinnen auf zu einer "'Kastration der Sprache und Bilder', in denen sich die Unterdrückung der Frau widerspiegle und fortsetze. Es gehe darum, 'das kastrierende System zu entmannen, das System, das unser aller Großer Vater-Gott ist'. Daly bezeichnet dieses Vorhaben gleichermaßen als 'Teufelsaustreibung' wie als eine 'Form von Gottesmord'. An einen persönlichen Gott glaubt Daly nicht mehr. (...Sie) bejaht ...eine pantheistische bzw. panentheistische Auffassung von 'Gott', die Gott und Welt gleichsetzt." - "'Gott' ist daher nur mehr 'das Sein, an dem wir teilhaben'", ein "Verb", kein "Substantiv" mehr. Dabei stützt sich Daly auf den protestantischen Theologen Paul Tillich, der von Gott als der "Tiefe des Seins" spricht. "Allein betont wird die Immanenz Gottes, seine Gegenwart in dieser Welt, während seine Weltüberlegenheit, die Transzendenz, nicht zum Zuge kommt. Gott ist ... mit der Innerweltlichkeit identisch. Attribute, die sich sonst nur auf Gott beziehen, werden ... von Mary Daly dem Menschen zugesprochen." Auf diese Weise wird der Mensch schließlich die "letzte Ursache" von allem und setzt sich damit an Gottes Stelle.77

An Dalys bisheriger Entwicklung sind die beabsichtigten Stationen des feministischen Umsturzweges abzulesen: Sie will die "Schwesternschaft der Feministinnen als Antikirche" durch "Aufrichtung des weiblichen Stolzes". Dies bezeichnet sie als "zweites Kommen des Frau" und setzt es mit dem Kommen des Antichristen gleich, das sie auf diese Weise anstrebt. Wiederholt verhöhnt sie das Kreuz als "Folterwerkzeug" und stellt ihm den entsprechend freudevollen weiblichen "Baum des Lebens" gegenüber. Er ist Ausdruck der festen Verbindung der Feministin zur Erde und zur "Mitte ihrer Selbst". Daly sieht sich selbst als "Hexe", die ein "esoterisches Wissen über frühere matriarchalische Kultur neu entdecke."78

Mary Daly, die sich inzwischen eine "Gnostikerin" nennt und nach eigenem Bekunden die "(vorgebliche) 'Todsünde der Lust' zum 'Ausgangspunkt' ihrer Überlegungen nimmt"79, blieb bis zu ihrer vermutlichen Pensionierung im Jahre 1993 Professorin für "katholische Theologie" an der Jesuitenhochschule in Boston.80

 

V. Auswirkungen des Feminismus auf Glaubensinhalte und Strömungen in der Kirche

Grundlegend für alle Einflüsse des Feminismus in der Kirche ist dessen von der christlich-biblischen Auffassung abweichende Anthropologie. Nach der Schrift sind Mann und Frau als Abbild Gottes zwar gleichwertig, aber nicht gleichartig, sondern auf Komplementarität angelegt. Ihr "Wesen" ist Ausdruck der von Gott in die Schöpfung hineingelegten Ordnung. Hiergegen setzt die innerkirchlich bestimmende und noch als "gemäßigt" geltende androgyne Richtung des Feminismus die völlige Gleichheit der Geschlechter in Unabhängigkeit von jeder wie auch immer gearteten göttlichen Vorgabe einer Ordnung. Dies bedeutet letztlich die Auflehnung gegen die eigene Identität als Frau oder Mann. De facto führt dies zur Eheunfähigkeit, denn Ehe setzt die gegenseitige Ergänzung in der Übernahme unterschiedlicher Verantwortung voraus, und es führt zu unterschiedlichen Formen von Homorerotik und perversen sexuellen Praktiken.81

Aus diesem falschen und unbiblischen Menschenbild folgt somit eine Verkennung des Wesens der Ehe, falls sie überhaupt noch akzeptiert wird, aber auch die Forderung nach bzw. Tolerierung von Abtreibung auch bei innerkirchlich wirkenden Theologinnen82, eine Veränderung des Gottes- und Kirchenbildes und eine völlige Verdrehung der biblischen Selbstoffenbarung Gottes nach feministischen Anschauungen und Kriterien im "Auswahlverfahren".83 Grundlegende Methode ist die Anwendung der sog. "weiblichen Erfahrung", die zwar nirgends exakt definiert wird, aber trotzdem "Quelle und Kriterium Feministischer Theologie" sein soll.84 "Trotz ihres Bezugs auf die Christusoffenbarung versuchen ... Halkes und Moltmann-Wendel, z.B. die kanaanäische Fruchtbarkeitsgöttin in das heutige Gottesbild aufzunehmen. (...) Die Methodik des Schriftgebrauchs benennen manche Feministinnen als 'Hexegese' oder 'wilde Exegese'. (...) Die Idee, gnostische Kreise hätten das eigentliche Urchristentum bewahrt, findet sich (u.a. d.V.) ... bei Moltmann-Wendel, Ruether und Halkes."85

Das Gottesbild, das mit der feministischen Anthropologie korrespondiert, ist die Göttin bei den gynozentrischen Vertreterinnen, die Vermischung weiblicher und männlicher Eigenschaften und Symbole bei den androgyn ausgerichteten Feministinnen. Die symbolische Identifikation der Kirche mit der Braut, Gottes mit dem Bräutigam wird als "Festschreibung weiblicher Unterdrückung" gebrandmarkt. Man greift zurück auf das "androgyne" Gottesbild der antiken Gnosis und heute der vorherrschenden Weltreligionen, u.a. des Hinduismus.86 Das Person-sein Gottes wird abgelehnt, man reduziert ihn auf seine Immanenz, wodurch er je nach feministischer Richtung zur Göttin oder zur "Quelle des Seins" o.ä. wird.87 Die Allmacht Gottes wird geleugnet, ebenso die Trinität. Gott und Mensch sollen sich gegenseitig erlösen, denn "Gott braucht den Menschen".88 Letztlich ist ein pantheistisches bzw. panentheistisches Gottesbild in den unterschiedlichsten Akzentuierungen bestimmend.89 An die Stelle der Verehrung Gottes tritt ein radikaler Hominismus, die "Vergöttlichung des Menschen".90

Hauke dazu: "Bei einem Umbau des Gottesbildes wird nicht nur die Symbolstruktur, sondern der Gottesglaube selbst grundlegend verändert. ... Der Feministischen Theologie geht es nicht um kosmetische Änderungen in Gesangbüchern zur Förderung weiblichen

Selbstbewußtseins, sondern um eine neue Religion."91

 

Um einige der Auswirkungen zu zeigen, seien wenige grundlegende Bereiche dargestellt:

- Christologie der Feministischen Theologie

Die Menschwerdung Gottes als Mann wird abgelehnt und als Ärgernis empfunden, ebenso der "Mythos von Sünde und Erlösung durch Jesus Christus"; all dies sei Ausdruck "männlicher Arroganz", denn "dieses 'Sündenbock-Syndrom' ermutige die Frauen dazu, der aufopfernden Liebe Jesu nachzueifern."92 Dagegen wird die Reinkarnation gesetzt als "Neugeburt aller Unterdrückten"93. "Der 'Mythos von Jesus als dem Messias oder göttlichen Logos' sei zu überwinden", denn durch seine Taufe habe er gezeigt, daß er selbst erlöst werden mußte - das ist die "alte gnostische Irrlehre vom 'erlösten Erlöser'".94

Insgesamt folgt die Feministische Theologie der Exegese des liberalen Protestantismus (Bultmann), dies aber aus der "Sicht von Frauen". So erstaunt es nicht, daß nicht nur Jesu Gottheit geleugnet wird und seine absolut einmalige Messianität, sondern man leugnet auch die Möglichkeit von Wundern und den Abschluß der Offenbarung in Jesus Christus.95 Ebenso fundamentale Ablehnung findet die christliche Kreuzestheologie, darin besonders der Sühnegedanke, und die Auferstehung. Dies wird allerdings dadurch verschleiert, daß man unter Beibehaltung der Begriffe deren Inhalte innerweltlich umdeutet und als reale Möglichkeit auf Leben und Schicksal jedes Menschen bezieht.96 Entsprechend kann es auch keine "Heilsgeschichte" geben, die Ursünde wird zum "Akt der angeblichen 'Erkenntnis'", die Schlange und die Sünde werden gepriesen, und man verdreht Gott zum "Urheber alles Bösen".97

 

- Mariologie der Feministischen Theologie

Schon Simone de Beauvoir bezeichnet den "Marienkult" in der katholischen Kirche als "höchsten Sieg der Männlichkeit", denn er bedeute "die Rehabilitierung der Frau durch die Vollkommenheit ihrer Niederlage".98 Maria sei nichts anderes als eine "domestizierte Göttin".99 Sie habe lediglich "Platzhalterfunktion für die weiblichen Züge Gottes" und sei deren "archetypische Projektionsfläche".100 Daher deutet man die Mariendogmen feministisch um: die Jungfräulichkeit Mariens wird zum Ausdruck "weiblicher Autonomie"; die Unbefleckte Empfängnis wird Ausdruck der Befreiung der Frau von "Vätern und Fesseln" zwecks "Schaffung ihres eigenen Selbst"; das Assumpta-Dogma wird zum "Aufstieg der Frau in die Sphäre der Göttlichkeit, was C.G. Jung mit seiner Rede von der Quaternität zum Ausdruck gebracht habe." Nur mit der Gottesmutterschaft kann man feministisch nicht sehr viel anfangen, Mutter und Kind sind schließlich nicht zu trennen. Eine Ausnahme ist hier Christa Mulack, die dadurch "die Inkarnation des Göttlichen im Leib einer jeden Frau" symbolisiert sieht.101 Insgesamt steht die Feministische Theologie Maria jedoch zurückhaltend bis ablehnend gegenüber.102

Fazit: "... die Leugnung der Geschlechterkomplementarität durch den Feminismus zieht sich durch bis zu den Gestalten Jesu und Mariens. Die symbolhafte Bedeutung des Mann- oder Frauseins für die Heilsordnung kommt bei den Feministinnen, die im Rahmen des Christentums bleiben wollen, nicht zum Zuge ... wo sie in ihrer prägenden Struktur erkannt wird, wirft man das Christentum als Ganzes über Bord ... oder deutet es im hoministischen Sinn um ...".103

 

- das Kirchenbild der Feministischen Theologie

Der "wütende Protest" der Feministischen Theologie richtet sich vor allem gegen die Kirche als "Institution der Macht" und hier speziell gegen das sakramentale Priestertum als Amt in der Kirche. Aus dieser Antireaktion heraus bildete sich in den USA 1983 die "Women-Church" mit einer eigenen Liturgie, die Männer ausschließt. Die maßgeblichen Namen in diesem Kontext sind: Elisabeth Schüssler Fiorenza und Rosemary Radford Ruether. Ausgehend von der Behauptung, die ersten Christengemeinden seien "egalitär" gewesen, sieht man die Entwicklung nach Petrus und Paulus an als "Anpassung an die patriarchalische Umgebung".104 Maßgebend gewesen seien hier Kreise in der Kirche, die sich gegen die "egalitäre" Gnosis durchgesetzt hätten.105 Zu dieser Leugnung des Amtes von seinem Beginn an kommt ein rein symbolhaftes Sakramentenverständnis und konsequenterweise die Leugnung der Gnade. Sie sei nichts, was über die Natur des Menschen hinausgehe. Das Amt sei lediglich "Selbstartikulation des Lebens in der Gemeinde".106 Passend zum pantheistischen Gottesbild ist das "ewige Heil" des Menschen für diese "Frauenkirche" kein Thema. Es geht hier lediglich um Kampf gegen die Vormachtstellung des Mannes und um die "Befreiung aus dem Patriarchat", das mit dem Auszug Israels aus Ägypten als "Ursprungsmythos" gleichgesetzt wird und als Ziel das "neue Zeitalter", also "New Age", hat. "Erlösung" besteht lediglich in der "Erkenntnis unseres Selbst".107

Vorbereitet ist diese feministische Sicht durch "progressive" Theologen wie Küng und Schillebeeckx, die ebenfalls ein funktionalistisches Amtsverständnis haben. Dies seinerseits findet sich allerdings bereits bei Martin Luther. Auch das "demokratische Gleichheitsideal im feministischen Kirchenbild" hat hier letztlich seinen Ursprung. Wie die "progressive" Theologie setzt auch die Feministische gern der "Machtpyramide der Kirche" den "Kreis der Gleichwertigen" gegenüber.

Mit drei Strategien versucht man den Einfluß der Kirche zu brechen: durch Austritt aus der Kirche und Eintritt in die "kosmische Schwesternschaft der Antikirche"; durch Etablierung einer Subkultur als "Frauenkirche" und durch Unterwanderung, wobei die beiden letzten sich bedingen und ergänzen. Rosemary Ruether sagt dazu: "Meiner Ansicht nach wird die feministische Bewegung wesentlich bessere Chancen haben, sich durchzusetzen, wenn sie sich in den existierenden Kirchen einen Standort sichert."108

 

- feministische Liturgie

Von Beginn an war die de facto "Naturreligion" des Feminismus verbunden mit Ritualen. Am bekanntesten ist das einschlägige Werk von Rosemary Ruether. Gefeiert werden darin die "Knotenpunkte" feministischen Lebens und der Jahreszyklus. Und so gibt es Themen wie: "Menstruations- und Neumondrituale", "Herbstliche Feste und Gedenkfeiern", "Winter-" und "Sommersonnenwende", "Zeremonie für das Lebensbündnis eines lesbischen Paares", "Liturgie der Menopause" usw. Auf synkretistischer Grundlage werden christliche Elemente, soweit sie noch vorhanden sind, umgedeutet. Bei der Taufe etwa geht es um die "Befreiung vom Patriarchat"; "Rituale der Versöhnung" bekennen nicht eigene Sünden, sondern sind lediglich Anklagen gegen das "Patriarchat" und die Kirche. So gibt es z.B. eine "Aschermittwochsliturgie: Buße für die Sünden der Kirche", und es gibt eine Liturgie für Frauen, die abgetrieben haben, was zwar "als tragisch beklagt, aber grundsätzlich gerechtfertigt" wird.109

Obgleich dies alles "absurdes Theater" zu sein scheint, haben derartige Gruppen und Personen unverkennbar zunehmenden Einfluß in in den unterschiedlichen Gemeinschaften der christlichen Kirche. So inszenierte die "Göttinnenfeministin" Heide Göttner-Abendroth 1983 in der "'Evangelischen Akademie Hofgeismar' als 'Naturgöttin Astarte' mit 150 'Hexen' eine Walpurgisnacht...", und Christine Hojenski, Mitherausgeberin eines Buches mit dem Titel "Meine Seele sieht das Land der Freiheit. Feministische Liturgien - Modelle für die Praxis", das 1990 in Münster erschien, diese Frau Hojenski ist lt. Meldung der Deutschen Tagespost vom 16.1.1993 "inzwischen Diözesanreferentin im Referat Frauenseelsorge im Bischöflichen Generalvikariat Münster." Mittlerweile gibt es auch "enge Kontakte zwischen feministisch geprägten Frauenverbänden und Liturgiewissenschaftlern".110

Noch erheblich bedenklicher sind aber die Bestrebungen nach "frauengerechter" Sprache in der Kirche. Letztlich geht es hierbei nicht um Nebensächlichkeiten der Anrede wie etwa "Brüder" vor der Lesung, was ohnehin nicht biblisch ist, sondern es geht im Kern um die Veränderung der sich sprachlich niederschlagenden Grundsymbolik der Bibel und der kirchlichen Sprache, z.B. Gott als "Vater" oder "Sohn" usw. Nach dem bisher Gesagten dürfte deutlich geworden sein, daß auf diese Weise das Gottesbild selbst verändert werden soll: vom transzendenten Vater-Gott der Offenbarung zur Immanenz pan(en)theistischer Gottesbilder111, die dann ihren Ausdruck finden in der mehr oder weniger abstrakten Wiederkehr der heidnischen Muttergottheiten. Diese Revitalisierung und Restauration der alten Natur- und Fruchtbarkeitskulte zeichnet sich in der engen Beziehung von Feminismus und Ökologie bereits deutlich ab. Über den Manichäismus dieses immanentistischen Gottesbildes hinaus, das die Zerrissenheit der Welt in Gut und Böse notwendig als in Gott selbst existierend annehmen muß, "gibt es in der Feministischen Theologie einen Rückfall in heidnischen Götzendienst, der die 'Mutter Erde' zu göttlichen Ehren erhebt. Dies geschieht ... auch in 'gemäßigten' Kreisen. Catharina Halkes, immerhin selbst feministische Theologin, warnt vor einer Erde- und Mondreligion, die gerade in Deutschland schon einmal böse Folgen gezeitigt habe. Und Ingeborg Hauschildt, engagierte evangelische Christin, berichtet: 'Als es im Jahre 1981 in der damals angebotenen Frauen-Weltgebetstags-Liturgie um die Anrufung der Mutter Erde ging, brach es bei einer unserer Frauen in Neumünster heraus: < Aber das ist ja wie *Blut und Boden* bei Hitler!> Das wollen manche Gemeindemitglieder dann doch nicht mitmachen. Hier ist ganz schlicht das erste Gebot zu verkündigen.'"112

 

- Feministische Eschatologie

Individuelles Weiterleben nach dem Tod wird in der Feministischen Theologie fast durchweg geleugnet. An seine Stelle treten Reinkarnation, z.B. "in der Tochter", eine nach marxistischem Grundmodell gedachte "neue Menschheit" auf einer "neuen Erde" ohne "Herrscher und Beherrschte"113 oder auch eine "Auferstehung" nach Art des alt-kanaanäischen Astarte-Kultes als "Naturkreislauf" im "Rhythmus von Tod und Leben als ... Gezeiten des Lebens".114 Auf diese Weise verlegt die Feministische Theologie die endzeitliche Hoffnung in das Diesseits. "Die 'Auferstehung' wird zum 'Aufstand', und die neue Schöpfung reduziert sich auf das irdische Ideal einer 'herrschaftsfreien Gesellschaft'." Dies allerdings ist selbst nach feministischem Verständnis eine "Utopie" und wird auf diese Weise zum Eingeständnis einer tragischen Hoffnungslosigkeit.115

 

VI. abschließende kritische Beurteilung

Sieht man den inner- und außerkirchlichen Feminismus in seinem Gesamtkontext, dann ist klar erkennbar, daß der Feminismus unzweifelhaft eine Ideologie und das Mittel ist, mit dessen Hilfe die Mehrheit der Frauen auf New Age-Kurs gebracht werden sollen. Dies gilt sowohl für den politischen wie für den kirchlichen Bereich, denn de facto sind "säkularer" und "theologischer" Feminismus in den Grundzügen ihrer Anschauungen identisch. Aus den dargestellten Zusammenhängen wird klar ersichtlich, daß es sich beim innerkirchlichen Feminismus nicht um eine unabhängige Strömung handelt, sondern um das Verfahren, das die "NA-Missionarin" Ferguson so formulierte: "Die autoritärste Institution, die katholische Kirche, leidet unter einem Symptom, das der Historiker John Tracy Ellis <ein Zertrümmern ihrer Standfestigkeit nennt>. (...) 1979 waren schätzungsweise eine halbe Million Katholiken (in Amerika; d.V.) zu sogenannten Charismatikern geworden, sprachen in Zungen und übten Heilpraktiken aus. Die Anzahl an Nonnen und Priestern ging während der siebziger Jahre drastisch zurück, Theologen wichen von der päpstlichen Autorität ab ... Ähnliche Rebellionen fanden in nahezu jeder organisierten religiösen Körperschaft statt. (...) Eine zunehmende Zahl von Kirchen und Synagogen hat ihren Wirkungskreis zu erweitern begonnen; sie beziehen verschiedene Gruppierungen mit ein, die sich für persönliches Wachstum, Zentren für körperliche und seelische Gesundheit, Meditations - Workshops, Bewußtseinserweiterung durch Musik, ja sogar Biofeedback-Training einsetzen. ... Jetzt gewinnen die Ketzer an Boden, die herrschende Doktrin verliert ihre Autorität, und Wissen ersetzt den Glauben."116 Ferguson behauptet ferner, daß sie "Unterstützung von Diskussionsgruppen in 'vielen, vielen Kirchen'" erfahren habe.117 Der New Age-Einfluß ist in allen christlichen Kirchen, gerade und besonders auch in sog. "progressiven" katholischen Kreisen nachweisbar, und das Erstaunliche an diesem NA-Einfluß ist sein allgemein religionsübergreifend "ökumenischer" Charakter, was allerdings der synkretistischen Ausrichtung dieser Art von "Religiosität" entspricht.118

Wie weit dieses NA-Denken bereits den kirchlichen Alltag bestimmt, wird daran erkennbar, wie stark Themen aus seiner Denkrichtung inzwischen die innerkirchliche Auseinandersetzung bestimmen. Ich möchte hier nur hinweisen auf den heftigen Kampf um das Frauenpriestertum als Kampf um die und gegen die angebliche "Macht" der Hierarchie in der Kirche, auf die Ablehnung der kirchlichen Sexualmoral, wozu dann die Ablehnung der Ehe mit lebenslanger Treue paßt und woraus die Forderung nach Tolerierung weiterer "Ehen" Geschiedener notwendig folgt. Inzwischen wird sogar verlangt, daß die Kirche gleichgeschlechtliche Paare als "Eheleute" anerkennen soll. Im Kern ist dies jedoch der Angriff auf den Bestand der Familie, eines der vorrangigen Ziele der New Ager.

Aber nicht nur in diesem Bereich zeigt sich die Affinität zwischen Feminismus/Feministischer Theologie und NA. Ausgehend von der angeblichen Benachteiligung der Frau im Christentum, fordert und fördert man - wie im NewAge vorgesehen - dessen Auflösung. Dies geschieht nicht nur durch schleichende Mutation seiner Inhalte in seltener und erstaunlicher Einmütigkeit mit der sog. "modernen" oder "progressiven" Theologie. Ausgehend vom feministisch verfremdeten androgynen bzw. gynozentrischen Menschenbild wird Gott wie in der NA-Ideologie pan(en)theistisch "aufgelöst" in der Welt, kommt erst im Menschen "zu sich selbst", indem der Mensch das "Christusbewußtsein in sich entwickelt"119. Auf diese Weise wird der Mensch "sein eigener Gott" mit der Fähigkeit, sich durch Innenschau selbst zu erlösen und eine, wenn auch nur utopische, herrschaftsfreie paradiesische Zukunftsgesellschaft zu bauen. Diesem Modell einer "mutterrechtlichen" Gesellschaft folgt man auch in sog. "gemäßigten" Feministenkreisen und dem entspricht auch in diesen Kreisen die "neue" Religion der "Großen Mutter" Erde, die zwar unterschiedlich abstrakt aufgefaßt wird, zu deren besonderem Dienst aber Frauen unstreitig am besten geeignet erscheinen. In diesem Kontext kann der Schrei nach Einführung des Frauenpriestertums in der katholischen Kirche nur als Druckmittel und Versuch gelten, um über diese "Hintertür" längerfristig den "Dienst der großen Göttin" auch dort zu etablieren. Riten sind ja nicht nur schon vorhanden, sie werden innerkirchlich, wie oben gezeigt, bereits propagiert und offenkundig auch benutzt.

Auch der Anspruch der Feministischen Theologie nach Durchdringung "aller einzelnen theologischen Disziplinen"120 ist lediglich als Unterwanderungstechnik zu bewerten und von der Sache her unangemessen. Bereits der anthropologische Ansatz, die Auflösung der spezifischen Identität von Mann und Frau, widerspricht diametral dem christlichen Menschenbild.121 Nimmt man die sich daraus ergebenden Folgen für das Gottesbild und die Dogmatik hinzu, kann man nur von einer durch solche "Theologie" betriebenen Selbstauflösung des Christentums sprechen. Entsprechend ist auch die allgemeine Erfahrung, daß die Beschäftigung mit feministischer Religionskritik für viele Frauen "das definitive Ende ... der Verbindung zwischen Feminismus und Theologie" bedeutet.122 Letztlich ist diese "Theologie" Teilbereich der "neuheidnischen Göttinnenbewegung" des NA, voll von massiven Übereinstimmungen mit gnostischen Kernideen, angefangen bei der jüdischen Gnosis, der Kabbala, bis zu Jakob Böhme, Franz von Baader und C.G.Jung.123

"Der Gnosisforscher Gilles Quispel kennzeichnet den antiken Gnostizismus als 'mythische Projektion der (menschlichen) Selbsterfahrung'. Nach Hans Jonas überhöht die Gnosis den Menschen 'zu einem innerweltlichen Gott', der den Schöpfer 'auf seinen Platz verweist'." Es wäre also ein verhängnisvoller Fehler der innerkirchlich Verantwortlichen, wollte man lediglich "naive 'Offenheit'" demonstrieren und "alle Entgleisungen mit wohlwollender Nachsichtigkeit in die kirchliche Bildungsarbeit und die Universitäten einsickern" lassen,124 wie es bisher den Anschein hat.

Statt dessen sollte man als berechtigtes Anliegen "die 'weibliche' Perspektive" für die Theologie dadurch angemessen zur Geltung bringen, daß man bedeutenden Frauengestalten, ihrer Theologie und Mystik, den gebührenden Platz in der Universitätstheologie zukommen läßt, etwa einer Theresia von Avila, Hildegard von Bingen, Katharina von Siena, aber auch so bedeutenden Vertreterinnen dieses Jahrhunderts wie Gertrud von le Fort, Sigrid Undset, Ida Friederike Görres, Edith Stein u.a.m., die insgesamt in der Feministischen Theologie keinerlei Beachtung finden.125 Auch sollte man Frauenverbände mit stark feministischer Ausrichtung wie etwa die kfd, deren Zielrichtung und Leitung viele Frauen an der "Basis" sehr kritisch gegenüberstehen, im Fall der Unreformierbarkeit im Sinne der Kirche durch wirklich kirchlich-katholische "Gegenorganisationen" "neutralisieren", damit die Frauen nicht länger gegen die Kirche aufgewiegelt, sondern zum Leben aus dem Glauben und mit der Kirche ermutigt werden.126

Es ist übrigens zu dem gesamten Themenkomplex zu bemerken, daß es keinen vernünftigen Grund gibt, warum die Sorge um die Männer in der Kirche der um die Frauen nachstehen soll. Die durch den Feminismus auch innerkirchlich hervorgerufene Polarisierung der Geschlechter ist in jeder Hinsicht schädlich. Jenseits jedes Geschlechtsunterschiedes haben alle Getauften Anteil am "allgemeinen Priestertum der Gläubigen", und die Gaben eines jeden sollen dem Aufbau des Reiches Gottes dienen, wenn auch auf unterschiedliche Weise. "Jeder Mensch bekommt von Gott Talente anvertraut, die in der gleichen Weise niemand anders zuteil werden." - "Es gilt also, sich nicht auf die Frauenthematik zu fixieren. Gefragt ist auch die spezifische Verantwortung des Mannes, zumal des Familienvaters, der selbstbewußte Autorität und dienende Sorge miteinander verbindet. Weder eine 'Feminisierung' noch eine 'Maskulinisierung' ist das Gebot der Stunde, sondern ein je eigenes Profil von Mann und Frau in gegenseitiger Ergänzung."127 "Wirklich geboten ist ein neues Selbstbewußtsein der Frau, das sich an Maria orientiert. Nach dem II. Vatikanum vereinigt Maria 'die größten Glaubensgeheimnisse in sich und strahlt sie wieder'. Auch das Thema 'Frau in der Kirche' kann von hier aus Impulse empfangen, die nicht zerstörerisch wirken, sondern die Glaubensgemeinschaft aufbauen."128

 

Ó Gertrud Dörner

 

 

 

 

1vgl. und Zitate Duden, Fremdwörterbuch, Stichwort Ideologie

2Müller/Halder, Kleines philosophisches Lexikon, Herder Freiburg 1971, S. 129

3Müller/Halder ebda, 6. Auflage 1963, S. 82

4 Hauke, Gott..., vgl. und Zitate S.26f

5 ebda vgl. S.28

6 vgl. und Zitate ebda S. 31

7 vgl. und Zitate ebda S. 32f

8vgl. und Zitate Lutz von Padberg, New Age und Feminismus. Die neue Spritualität, Schulte und Gerth Asslar 1987, S. 17f (im folgenden Padberg)

9 Hauke, Gott ..., vgl. und Zitate S. 26f

10 vgl. Hauke ebda S.28

11 vgl. Hauke ebda S. 26f

12 vgl. und Zitate ebda S. 23f

13vgl. ebda S.26

14vgl. ebda S. 94f, Fußnote 85

15ebda, S.33f

16vgl. und Zitate ebda S. 34

17vgl. Padberg, S. 19f

18vgl. und Zitate Padberg, S. 20f

19Padberg, vgl. und Zitate S. 21ff

20ebda S. 23 vgl. und Zitate

21ebda S. 23f vgl. und Zitate

22Padberg, vgl. und Zitate S. 24f

23Beyerhaus/Padberg(Hrsg.), Eine Welt - eine Religion?, Schulte+Gerth, 2. Aufl.1989, S.183 (im folgenden: Beyerhaus)

24ebda, S.184

25ebda, S.184

26vgl. ebda S. 183

27vgl. hierzu die Biographie: Stephan Holthaus, Madame Blavatsky und die Theosophische Gesellschaft. Die Sphinx des Okkultismus, Schwengeler-Verlag, CH-Berneck 1990, besonders die Kapitel II und III, zu Steiner S. 84ff

28vgl. dazu Constance Cumbey, Die sanfte Verführung, Schulte+Gerth Asslar, 7. Aufl. 1987, S.45f

29 zitiert nach Cumbey a.a.O. S.46f

30vgl. Cumbey a.a.O. u.a. S.86ff, 96ff u.a.m.

31 vgl. ebda S. 47f

32vgl. Cumbey a.a.O. S. 50f

33vgl. und Zitate ebda S. 53

34vgl. und Zitate ebda S. 53f

35Cumbey a.a.O. vgl. S.60

36vgl. dazu: Els Nannen, Carl Gustav Jung. Der getriebene Visionär, Schwengeler Verlag, CH-Berneck, 1991, S.340ff

37vgl. dazu Cumbey a.a.O. Ss. 54, 63,224ff

38Cumbey a.a.O. S.229

39Reinhard König, New Age. Geheime Gehirnwäsche. Wie man uns heute für morgen programmiert, Hänssler Verlag Stuttgart 1986, 5. Aufl. 1988, vgl. S.120

40vgl. Hauke, Gott... S.41

41ebda S.42

42Hauke ebda, S.42f

43vgl. und Zitate Cumbey a.a.O. S.199ff

44vgl. ebda S. 121

45vgl. ebda S. 124f

46vgl. Cumbey, a.a.O. S.114ff und 132ff

47vgl. ebda S.115

48vgl. Cumbey a.a.O. S.203 und 214

49Ferguson Marilyn, Die sanfte Verschwörung, Knaur München 1982, vgl. S. 100f, 433f u.a.m.

50vgl. ebda S.203

51vgl. Cumbey S.69

52zitiert nach Cumbey a.a.O. S.64

53vgl. Cumbey a.a.O. S.79, Fußnote 16

54vgl. ebda S.66f

55vgl. dazu: Reinhard König, New Age. Geheime Gehirnwäsche. Wie man uns heute für morgen programmiert. Hänssler Stuttgart, 5. Aufl. 1988, S.63ff (im folgenden: König)

56König a.a.O. vgl. und Zitat S.51

57vgl. ebda

58vgl. und Zitate: König a.a.O. S.51f

59Hauke, Gott..., S.45

60vgl. ebda S. 48

61Hauke, Gott... S.49

62vgl. ebda S. 50

63ebda S.54

64vgl. und Zitate: Hauke, Gott ... S.51ff

65vgl. und Zitate ebda S.54f

66vgl. ebda S.55f

67vgl. ebda S.56f

68vgl. ebda S.59f

69vgl. und Zitat ebda S.65

70vgl. ebda S. 65, Fußnote 93

71vgl. und Zitat ebda. S. 65f

72vgl. und Zitate S.66f

73Padberg a.a.O. S. 26f

74ebda S.27

75Hauke, Gott...vgl. S.46f

76ebda vgl. u. Zitate S. 68-71

77vgl. und Zitate: Hauke, Gott... S. 71f

78vgl. und Zitate ebda S. 72f

79ebda S. 74

80ebda vgl. S. 75

81vgl. Hauke a.a.O. S. 90ff

82vgl. ebda S. 99

83vgl. ebda 105f

84vgl. Hauke, Gott..., S. 102ff

85vgl. und Zitate ebda S. 110f

86vgl. ebda 117f

87vgl. ebda S. 121

88vgl. ebda S. 123ff

89vgl. ebda S. 126f

90ebda vgl. S.128

91ebda S. 131

92Hauke, Gott..., vgl. und Zitat S. 138f

93ebda S. 139f

94vgl.ebda S.141

95vgl. ebda S. 142f

96vgl. ebda S. 145f

97vgl. ebda S. 147f

98vgl. ebda S. 158

99vgl. ebda S. 157

100vgl. ebda S. 159

101vgl. und Zitate ebda S. 160ff

102vgl. ebda S. 162ff

103Hauke a.a.O. S. 167

104ebda vgl. S.179

105vgl. ebda S. 180

106vgl. ebda S. 181

107vgl. und Zitate ebda S. 181f

108vgl. und Zitate ebda S. 182

109Hauke a.a.O. vgl. und Zitate S. 188f

110ebda vgl. und Zitate S. 189 sowie ebda Fußnote 7

111vgl. ebda S. 190-200

112Hauke, Gott..., vgl. und Zitate S. 206. (ich verweise hier zurück auf die Übereinstimmungen zwischen New Age-Ideologie und Nationalsozialismus! Anmerk. d.V.)

113vgl. ebda S. 207f

114vgl. ebda S. 209

115ebda vgl. und Zitat S. 211

116Marilyn Ferguson, Die sanfte Verschwörung.(The Aquarian Conspiracy) Persönliche und Gesellschaftliche Transformation im Zeichen des Wassermanns, Knaur Verlag 1982, S.426 und 428

117vgl. Cumbey a.a.O. S. 173

118ebda vgl. S.179f

119Cumbey, a.a.O. vgl. S. 175ff

120Hauke, Gott...vgl. S.216

121ebda S. 215

122vgl. Hauke a.a.O. S. 216

123vgl. ebda S. 217

124ebda vgl. und Zitate

125vgl. und Zitate ebda S. 217f

126vgl. Hauke a.a.O. S. 220

127vgl. Hauke a.a.O. S. 220f

128Hauke a.a.O. S.224

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