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Johannes Paul II. und die Frauen

Johannes Paul II. und die Frauen

Einleitung:

Der Titel meines Vortrages klingt etwas „verdächtig“, aber die Frage nach den Ansichten des Papstes über Frauen ist nicht nur lohnend, sondern für uns aufschlußreich. Denn unser Papst hat eine „schlechte Presse“, das weiß jeder von uns, der die „Szene“ beobachtet, und da ist es stets vernünftig, nach dem zu fragen, was er wirklich von uns Frauen hält, was er wirklich zu uns und über uns sagt bzw. welche Folgen das alles tatsächlich für uns hat.

Die Bereiche, in denen an unserem Papst besonders von interessierter Frauenseite viel Kritik geübt wird, sind leicht auszumachen. Da ist vor allem und zuerst seine Haltung zu Sexualität und Empfängnisverhütung. Sie gilt als „frauenfeindlich“ und nicht selten schiebt man ihm dafür auch die Schuld an unerwünschten Schwangerschaften und darauf folgenden Abtreibungen in die Schuhe, die dann auf diese Auffassung zurückgeführt werden. Glaubt man der Kritik aus dieser Richtung, so ist die gesamte Dritte Welt nur aus diesem Grunde überbevölkert, obwohl die Katholiken dort eine absolute Minderheit sind und sehr viele aus dieser Minderheit sich ohnehin nicht daran halten.

Hiermit in engstem Zusammenhang stehen die Ausführungen des Papstes zu Ehe und Familie, das absolute Verbot der Ehescheidung, die Ablehnung sog. „eheähnlicher Paarbeziehungen“, die keinesfalls der Ehe gleichgestellt werden, sowie homosexueller und lesbischer Beziehungen. Dies wird als „unbarmherzig“ qualifiziert, als Ausdruck unchristlicher Verständnislosigkeit und Lieblosigkeit, gipfelnd im Ausschluß von den Sakramenten, besonders der Eucharistie. Dies alles sei menschen- und in besonderem Maß frauenfeindlich. Jeder habe doch ein Recht auf „Glück“.

Als Höhepunkt und unüberbietbarer Ausdruck dieser angeblichen päpstlichen Einstellung gilt jedoch die Verweigerung der Priesterweihe für Frauen. Dies sei ein Angriff auf die Gleichwertigkeit und Würde der Frau, eine Mißachtung und Minderbewertung der Frau als Person und damit aller ihrer Fähigkeiten. Die Kirche sei der „letzte Hort des Patriarchalismus“, habe die Zeichen der modernen Zeit nicht erkannt.

Diejenigen, die solches in die Öffentlichkeit lancieren, lassen meist erkennen, daß sie das, was der Papst wirklich gesagt hat, einschließlich seiner Ziele und Absichten, nicht oder nur ungenau kennen und daß es ihren Ausführungen nicht zugrunde liegt. Deshalb wollen wir uns hier um die Beantwortung der folgenden Fragen bemühen:

- Was sagt der Papst zu all dem wirklich?

- Welche Folgen haben bzw. hätten seine Vorstellungen auf das Leben von uns Frauen, wenn man sich allgemein danach richtete? Würde dies uns Frauen schaden?

- Welche Stellung hat die Frau in der Kirche, was sind ihre Aufgaben, wenn man ihr das Priestertum verweigert? Ist sie dann tatsächlich nur die „Putzfee“, die die Kirchenbänke schrubben darf?

Es ergeben sich also drei große Themenbereiche:

1. Wer ist die Frau nach päpstlichem Verständnis, was ist ihre Bedeutung, was ist ihre Aufgabe in Kirche und Welt als Mensch?

2. Welche Vorstellungen hat der Papst zu Ehelosigkeit, Ehe und Familie; wie wirkt sich das auf sein Verständnis des Frauseins aus?

3. Warum wird der Frau in der Kirche das Priesteramt verweigert? Was ist ihre Aufgabe in der Kirche, wenn es das Priesteramt nicht ist?

Zu 1: Der Papst zu Bedeutung und Aufgabe der Frau allgemein als Mensch in Kirche und Welt

In der Enzyklika „Mulieris Dignitatem - über die Würde und Berufung der Frau“ zitiert der Papst zu Beginn aus der Botschaft des II. Vatikanischen Konzils an die Frauen: „Die Stunde kommt, die Stunde ist schon da, in der sich die Berufung der Frau voll entfaltet, die Stunde, in der die Frau in der Gesellschaft einen Einfluß, eine Ausstrahlung, eine bisher noch nicht erreichte Strellung erlangt. In einer Zeit, in der die Menschheit einen so tiefgreifenden Wandel erfährt, können deshalb die vom Geist des Evangeliums erleuchteten Frauen der Menschheit tatkräftig dabei helfen, daß sie nicht in Verfall gerät.“1 Und er schließt sich den Ausführungen Pauls VI. an, der, nachdem er die Heiligen Theresa von Avila und Katharina von Siena zu Kirchenlehrerinnen erklärt hatte, äußert: „Im Christentum besaß die Frau mehr als in irgendeiner anderen Religion schon von Anfang an eine besondere Würdestellung, wofür das neue Testament nicht wenige und nicht geringe Beweise bietet ...; es scheint ganz offenkundig, daß die Frau dazu bestimmt ist, an der lebendigen, tätigen Struktur des Christentums so stark teilzunehmen, daß vielleicht noch nicht alle Möglichkeiten dafür freigelegt worden sind.“2

Grundlage der Würde und Aufgabe der Frau wie des Mannes ist für den Papst der Schöpfungsbericht der Genesis. Hier ist der beispielhafte und vorbildhafte Anfang ; hier- in der Sünde - liegt auch die Ursache des Mißverhältnisses der Geschlechter zueinander, der eigentliche Grund für die Herrschaft des Mannes über die Frau und deren Herabwürdigung und Minderbewertung als Folge, aber auch der Beginn der Heilsgeschichte - also der „Geschichte der Heilung“ durch den Erlöser, „geboren von einer Frau“.3

Von Anfang an ist es Aufgabe und Ziel des Menschen - gestört durch die Sünde, wiederhergestellt durch den Erlöser - als Mann wie als Frau, geschaffen als „Abbild Gottes“, „am inneren Leben Gottes selbst teilzuhaben“.4 Das innerste Wesen Gottes aber ist „Liebe“. Diese ist nicht in erster Linie „Gefühl“, sondern tatkräftiges Wohlwollen auf der Grundlage alles Guten und Gerechten. Aus diesem Wesen Gottes ergibt sich, wie der hl. Paulus in seinem Hohenlied der Liebe 1 Kor 13 schreibt, daß „alles nichts ist ohne Liebe“, daß nur sie nicht vergeht, während alle anderen Gnadengaben aufhören. Die „Ordnung der Liebe“ ist also die höchste Ordnung oder auch Grundordnung, die Gott in seiner Schöpfung verwirklicht sehen möchte.

In dieser „Ordnung der Liebe“, die eine Ordnung der Hingabe ist, schreibt der Papst in seiner Enzyklika der Frau einen Vorrang vor dem Mann zu, beruhend auf ihrer von Gott gegebenen Natur. „Auf der Grundlage des ewigen Planes Gottes ist die Frau diejenige, in der die Ordnung der Liebe in der geschaffenen Welt der Personen das Erdreich für ihr erstes Wurzelfassen findet. Die Ordnung der Liebe gehört zum inneren Leben Gottes selbst, zum Leben des dreifaltigen Gottes. ... Die Würde der Frau wird von der Ordnung der Liebe bestimmt, die im wesentlichen eine Ordnung von Gerechtigkeit und Nächstenliebe ist. Nur die Person kann lieben, und nur die Person kann geliebt werden. ... Die Liebe ist ein ontologisches und ein ethisches Bedürfnis der Person. Die Person muß geliebt werden; denn allein die Liebe entspricht dem, was eine Person ist. ... So erklärt sich auch der Vorrang der Liebe, der von Paulus im ersten Korintherbrief angesprochen wird. ... Ohne Anwendung dieser Ordnung und dieses Vorranges ist eine vollständige und zutreffende Antwort auf die Frage nach der Würde und Berufung der Frau gar nicht möglich. Wenn wir sagen, die Frau empfängt Liebe, um ihrerseits zu lieben, meinen wir ... damit etwas ..., daß sich auf die Tatsache selbst des Frauseins in den interpersonalen Beziehungen gründet. ... In diesem ... Zusammenhang stellt die Frau einen Eigenwert dar als menschliche Person und gleichzeitig als jene konkrete Person in ihrem Frausein. Das trifft auf alle Frauen und auf jede einzelne zu.“5 - Da der Heilige Geist in der Dreifaltigkeit die Verkörperung der Liebe Gottes ist, steht die Frau zu ihm in einer besonderen Beziehung, wie es sich am deutlichsten in der Mutter unseres Herrn zeigt. Daher kann der Papst sagen, „daß zum biblischen Urbild der Frau vom Beginn der Geschichte bis zu ihrem Ende der Kampf gegen das Böse und gegen den Bösen in Person gehört. Es ist dies auch der Kampf um den Menschen, um sein wahres Wohl, um sein Heil. ... Wenn die Würde der Frau von der Liebe zeugt, die sie empfängt, um ihrerseits zu lieben, scheint das biblische Urbild der Frau auch die rechte Ordnung der Liebe zu enthüllen, welche die eigentliche Berufung der Frau darstellt. Es handelt sich hier um die Berufung in ihrer fundamentalen und geradezu universalen Gestalt, die dann konkrete Gestalt annimmt und in den vielfältigen Berufungen der Frau in Kirche und Welt zum Ausdruck kommt. Die moralische Kraft der Frau und ihre geistige Kraft verbinden sich mit dem Bewußtsein, daß Gott ihr in einer besonderen Weise den Menschen anvertraut ... dieses Anvertrauen betrifft in besonderer Weise die Frau - eben wegen ihrer Weiblichkeit -, und es entscheidet in besonderer Weise über ihre Berufung. ... Ein aufmerksames Bedenken des biblischen Urbildes der Frau - vom Buch der Genesis bis zur Offenbarung des Johannes - bestätigt ..., worin Würde und Berufung der Frau bestehen und was an ihnen unwandelbar und immer aktuell ist ... Wenn der Mensch in besonderer Weise von Gott der Frau anvertraut ist, bedeutet das, ... daß Christus von ihr die Verwirklichung jenes ´königlichen Priestertums´ erwartet, jenes Reichtums, den er den Menschen zum Geschenk gemacht hat ... Dann wird sich die Wahrheit, daß ´am größten die Liebe ist´ endgültig erfüllen.“6

In dieser „Ordnung der Liebe“ als Kern des Verhältnisses zu Gott und den Mitmenschen, der selbstverständlich auch der Mann grundlegend verpflichtet ist, räumt der Papst also ohne Einschränkung der Frau aufgrund ihrer von Gott gegebenen Natur den Vorrang ein, hier sieht er aber auch die Grundlage für ihr Verhalten in Kirche und Welt.

2. Der Papst zur Frau in Ehelosigkeit, Ehe und Familie

In seiner Enzyklika „Familiaris Consortio“, in ungezählten Predigten und Ansprachen hat sich Johannes Paul II. dieses Themas angenommen. Es ist nicht möglich, hier auch nur einen Überblick über alles von im Gesagte zu geben, deshalb nur die wesentlichen Grundzüge seiner Gedanken zu diesem Themenkreis.

Grundlage aller seiner Überlegungen zu diesem Komplex ist stets die Auffassung vom Menschen - ob Mann oder Frau - als Person, unverwechselbar und einmalig von Gott gewollt in der Würde der Gottesebenbildlichkeit. „Gott hat den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis erschaffen: den er aus Liebe ins Dasein gerufen hat, berief er auch gleichzeitig zur Liebe ... Die Liebe ist demnach die grundlegende und naturgemäße Berufung jedes Menschen. Als Geist im Fleisch, das heißt als Seele, die sich im Leib ausdrückt, und als Leib, der von einem unsterblichen Geist durchlebt wird, ist der Mensch in dieser geeinten Ganzheit zur Liebe berufen. ... Die christliche Offenbarung kennt zwei besondere Weisen, die Berufung der menschlichen Person zur Liebe ganzheitlich zu verwirklichen: die Ehe und die Jungfräulichkeit. Sowohl die eine als auch die andere ist in der ihr eigenen Weise eine konkrete Verwirklichung der tiefsten Wahrheit des Menschen, seines ´Seins nach dem Bilde Gottes´. Infolgedessen ist die Sexualität, in welcher sich Mann und Frau durch die den Eheleuten eigenen und vorbehaltenen Akte einander schenken, keineswegs etwas rein Biologisches, sondern betrifft den innersten Kern der menschlichen Person als solcher. Auf wahrhaft menschliche Weise wird sie nur vollzogen, wenn sie in jene Liebe integriert ist, mit der Mann und Frau sich bis zum Tod vorbehaltlos einander verpflichten. Die leibliche Ganzhingabe wäre eine Lüge, wenn sie nicht Zeichen und Frucht personaler Ganzhingabe wäre, welche die ganze Person, auch in ihrer zeitlichen Dimension, miteinschließt. Wenn die Person sich etwas vorbehielte, zum Beispiel die Möglichkeit, in Zukunft anders zu entscheiden, so wäre schon dadurch ihre Hingabe nicht umfassend. Die Ganzheit, wie sie die eheliche Liebe verlangt, entspricht auch den Forderungen, wie sie sich aus einer verantworteten Fruchtbarkeit ergeben. Auf die Zeugung des Menschen hingeordnet, überragt diese ihrer Natur nach die rein biologische Sphäre und berührt ein Gefüge von personalen Werten, deren harmonische Entfaltung den dauernden, einträchtigen Beitrag beider Eltern verlangt.“7

Bereits aus diesem Auszug ergibt sich alles Wesentliche für die Stellung der Frau hinsichtlich Sexualität und Ehe nach päpstlicher Auffassung: die lebenslange treue Ehe bietet ihr als der durch Schwangerschaft usw. eindeutig Schwächeren und Belasteteren Schutz und Sicherheit, den Kindern stabile Verhältnisse als Voraussetzung gesunder Entwicklung. Die Frau wird nicht zur „Wegwerfware“ des Mannes, wird in ihrer Personwürde geachtet, was selbstverständlich vice versa auch gilt. Die Verantwortung für die gemeinsam gezeugten Kinder wird auch gemeinsam getragen.

An anderer Stelle der gleichen Enzyklika spricht der Papst ausdrücklich von der Einstellung des Mannes seiner Frau gegenüber. „Die echte eheliche Liebe setzt voraus und fordert, daß der Mann hohe Achtung vor der gleichen Würde der Frau habe: ´Du bist nicht ihr Herr´, schreibt der heilige Ambrosius, ´sondern ihr Mann; sie ist dir nicht zur Sklavin gegeben, sondern zur Gattin ... Erwidere ihre Aufmerksamkeit gegen dich und sei ihr dankbar für ihre Liebe.´ Mit seiner Gattin muß der Mann eine ´ganz besondere Form personaler Freundschaft´ leben. Als Christ ist er sodann berufen, eine neue Haltung der Liebe zu entwickeln und seiner Gattin jene zarte und kraftvolle übernatürliche Liebe zu erweisen, die Christus zu seiner Kirche hat.“, Hinweis auf den sakramentalen Charakter der Ehe. Klar wendet sich der Papst gegen einen „macismo“, das ist die „Anmaßung männlicher Vorrechte, die die Frau erniedrigen und die Entwicklung gesunder Familienbeziehungen verhindern.“8

Aus dem Gesagten ergibt sich, daß es der Personwürde des Menschen - und damit auch der Frau - widerspricht, Sexualität auf Mißbrauch des anderen zur eigenen Triebbefriedigung zu reduzieren, dies gilt nicht nur außerhalb der Ehe, sondern auch für das eheliche Zusammenleben. Nur aus diesem Gedanken ist das päpstliche Verbot der künstlichen Empfängnisverhütung zu verstehen - bzw. die Erlaubnis zur Nutzung der natürlichen Möglichkeiten, die ja Teil der Person des anderen sind und gemeinsame Verantwortung im Handeln voraussetzen.

Daß im Gesamtzusammenhang solcher Gedanken Pornographie und alle anderen Arten von Perversionen unmöglich sind, die ja überwiegend auf Kosten von Frauen und ihrer Personwürde gehen, auch dann, wenn diese sich dem frei zuwenden, und daß die Herabwürdigung der Frau als Person auch jeden Mann in seiner Personwürde trifft, von dem sie herabgewürdigt wird, liegt auf der Hand.

Ergänzend sei noch erwähnt, daß der Papst in der Ehe und der sich daraus ergebenden Familie die wesentliche Grundlage alles Guten und seiner Entwicklung in der Gesellschaft und - der Kirche sieht: die Familie als „Hauskirche“, Vermittlerin und erste Lehrerin der Beziehung zu Gott und des christlichen Lebens, und hier in unersetzbarer Bedeutung die Ehefrau und Mutter.9

Die Jungfräulichkeit und die Ehelosigkeit für das Reich Gottes stehen in keinerlei Widerspruch zum hohen Wert der Ehe, sondern setzen ihn voraus und bekräftigen ihn. ... (sie sind) die beiden Weisen, das Geheimnis des Bundes zwischen Gott und seinem Volk darzustellen und zu leben. Ohne Achtung für die Ehe kann es auch keine gottgeweihte Jungfräulichkeit geben; wenn die menschliche Sexualität nicht als ein hoher, vom Schöpfer geschenkter Wert betrachtet wird, verliert auch der um des Himmelreiches willen geleistete Verzicht auf sie seine Bedeutung.“10

Also auch aus Jungfräulichkeit bzw. Zölibat ist eine Mißachtung der Ehe und damit der Frau nur mit Böswilligkeit abzuleiten.

3. Der Papst und die Priesterweihe für Frauen

Alle Glieder des Volkes Gottes, Priester Ordensleute und Laien, sind Arbeiter im Weinberg: Alle sind zugleich Adressaten und Subjekte der communio der Kirche und der Teilhabe an iherer Heilssendung. Alle und jeder einzelne arbeiten mit verschiedenen komplementären Charismen und Diensten in dem einen und gemeinsamen Weinberg. (...) Der Laienstand hat im Weltcharakter seine Spezifität. ... Das Amtspriestertum repräsentiert die bleibende Garantie der sakramentalen Präsenz Christi, des Erlösers, zu allen Zeiten und an allen Orten. Der Ordensstand gibt Zeugnis vom eschatologischen Charakter der Kirche, das heißt von ihrem Ausgerichtetsein auf das Reich Gottes ...“11

Zum Laien- und zum Ordenstand gehören Frauen, zum Stand des Amtspriestertums nicht. Warum?

Eigentlicher und bleibender Grund ist primär die Tatsache, daß Jesus Christus dies für seine Kirche so festgelegt hat. Niemals seit den Zeiten der Apostel ist dies innerhalb der Kirche in Frage gestellt worden. Die ständig wiederholte Behauptung, dies sei rein zeibedingt gewesen, Jesus habe es in der ihn umgebenden Gesellschaft eben nicht anders gewußt oder sich leisten können, entspricht nicht den historischen Gegebenheiten. Jesus lebte in einem Gebiet des römischen Reiches, das multikulturell war, wie wir heute sagen würden. Dieses angeblich rein jüdische Gebiet war besetzt von römischen Truppen und durchsetzt von den damit verbundenen verschiedensten heidnischen Kulten, von den Folgen der ausgedehnten Wirtschaftsbeziehungen und dem massiven Einfluß der griechisch-römischen Kultur ganz zu schweigen. Da die heidnischen Kulte, überwiegend orgiastische oder Fruchtbarkeitskulte, durchaus Priesterinnen hatten, wäre Jesus damit nicht besonders aufgefallen. Außerdem folgten ihm sehr viele Frauen und unterstützten ihn als Jüngerinnen, an Aspirantinnen für das Priesteramt war also kein Mangel. Gleiches gilt auch für die Missionsreisen der Apostel, die ebenfalls deutlich und massiv von Frauen unterstützt wurden.

Darüber hinaus „zeigt die Tatsache, daß Maria, die Mutter Gottes und Mutter der Kirche, nicht den eigentlichen Sendungsauftrag der Apostel und auch nicht das Amtspriestertum erhalten hat, mit aller Klarheit, daß die Nichtzulassung der Frau zur Priesterweihe keine Minderung ihrer Würde und keine Diskriminierung ihr gegenüber bedeuten kann, sondern die treue Beachtung eines Ratschlusses, der der Weisheit des Herrn des Universums zuzuschreiben ist. Auch wenn die Gegenwart und die Rolle der Frau im Leben und in der Sendung der Kirche nicht an das Amtspriestertum gebunden ist, so bleiben sie doch absolut notwendig und unverzichtbar. ... die christlichen Frauen (sollen) sich der Größe ihrer Sendung voll bewußt werden; ihre Aufgabe ist heute von höchster Bedeutung sowohl für die Erneuerung und Vermenschlichung der Gesellschaft als auch dafür, daß die Gläubigen das wahre Antlitz der Kirche wieder entdecken. ... Auf der anderen Seite ist die hierarchische Struktur der Kirche vollkommen auf die Heiligkeit der Gläubigen ausgerichtet. Daher ruft die erklärung Inter Insigniores in Erinnerung, ´das einzige höhere Charisma, das sehnlichst erstrebt werden darf und soll, ist die Liebe ... Die Größten im Himmelreich sind nicht die Amtsträger, sondern die Heiligen.´“12 - „Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl.Luk 22,32), daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“13

Die Ergebnisse der Feminististischen Theologie, der „Spielart“ des weltlichen Feminismus, von dem sie sich nicht grundsätzlich unterscheidet, zeigen, daß die Forderung nach dem Frauenpriestertum mit dem Gottesbild in unmittelbarem Zusammenhang stehen. Dies deutlich gezeigt zu haben ist das Verdienst von Manfred Hauke, Professor für Dogmatik in Lugano, der die Beziehung zwischen immanentistischen Gottesbildern (Pantheismus, gnostische Systeme) und Fruchtbarkeitskulten, die notwendig Frauen als Priesterinnen brauchen, herausgestellt hat. Die Entwicklungen im theologischen Feminismus, die zur „Göttin“, im weniger schlimmen Fall immer noch zu einer Mystifizierung weiblicher Eigenart und Fruchtbarkeit führen mit massiven Beziehungen zu Esoterik und Okkultismus, zeigen, daß die Entscheidung des göttlichen Stifters, seiner Kirche nur Männer zu Priestern zu geben, sehr vorausschauend war und ihrer Erhaltung dient, was auch zur Entscheidung des Papstes zu sagen ist. Dabei bleibt die Tatsache, daß der Priester „in persona Christi“ real und symbolhaft die Sakramente spendet, noch unberücksichtigt.

Zusammenfassung:

Ich komme zum Schluß.

Nirgends, gleichgültig welche Verlautbarung des Papstes wir nehmen, gibt es auch nur den geringsten Ansatz zu der Vermutung, er selbst oder die katholische Kirche unter seiner Leitung diskriminiere Frauen und stünde ihrer Beteiligung am Leben der Kirche abweisend gegenüber. Das Gegenteil ist der Fall!

Nichts wünscht der Papst mehr, als daß die Frauen ihre Aufgabe in Kirche und Gesellschaft wahrnehmen. Er erwartet Großes von ihnen, sieht in ihnen eine der Grundlagen für die Hoffnung der Kirche und der Gesellschaften.

Eines allerdings ist klar: all das können Frauen nicht leisten, wenn sie sich als Frauen nicht annehmen, wenn sie vor allem ihr Frausein nicht im Lichte des Glaubens als Nachfolge Jesu nach dem Vorbild Mariens sehen. Dann ist die Last, das Kreuz, das mit der Erfüllung der Liebe zu tragen ist, nicht zu ertragen. Hier - und dies gilt für alle Mitglieder der Kirche - setzt der Dienst des Amtspriestertums an, das ja, wenn es als „Machtausübung“ gesehen wird, seinen Sinn verfehlt. Es ist der Dienst dieses Amtes, daß es den Gläubigen die Begegnung mit Christus in den Sakramenten ermöglicht und ihnen damit die göttlichen „Kraftquellen“ öffnet.

Statt also lautstark den opfervollen Dienst dieser Männer als „Machtmißbrauch“ zu diskriminieren, sollten wir als Frauen besser versuchen, unsere Aufgaben zu erfüllen, und sie, die doch um des Herrn willen und für uns Gläubige sehr viel auf sich nehmen, so gut wir können auf unsere Weise in ihrer Arbeit unterstützen.

Dem Papst aber sollten wir dankbar sein und ihn verteidigen.

1 a.a.O. S.5

2 a.a.O S.5

3 vgl. dazu a.a.O S. 23ff

4 vgl. ebda

5 vgl. und Zitate a.a.O. S. 63ff

6 ebda S. 65ff

7 Familiaris Consortio S.15

8 ebda vgl. und Zitate S. 29

9 ebda vgl. S. 21ff

10 ebda S. 19f

11 Christifideles Laici S. 88f

12 vgl. und Zitate: Apostolisches Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis, DT vom 31.5.94

13 ebda, Art. 4

© Gertrud Dörner, 1999

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