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Die Frauen und die Kirche - Zur Rolle der derzeitigen Frauenverbände

Die Frauen und die Kirche

Zur Rolle der derzeitigen Frauenverbände

In der katholischen Kirche wird die "Frauenfrage" immer virulenter. Noch nie in der Geschichte gab es einen derart breiten und von der veröffentlichten Meinung unterstützten "Aufstand der Frauen" gegen die Amtsträger und die bisherige geistliche Lehre und Praxis, zudem von nicht wenigen dieser Amtsträger wenn nicht unterstützt, so doch zumindest toleriert. "Ich will nicht dienen!" ist der Schlachtruf. "Frau" sei es leid, stets nur die untersten Positionen in der Kirche einzunehemen, sich nur mit Putztuch, Staubsauger oder als Küchenfee für die Grundbedürfnisse der "Männerkirche" verschleißen zu lassen, ohne Teilhabe an Amt, Würden und Verantwortung, ohne Möglichkeit der Mitbestimmung. Massiv werde "frau" auf diese Weise unterbewertet, in ihrem Wesen und ihren Fähigkeiten mißachtet. Die Kirche sei erheblich hinter der Zeit und unserer Gesellschaft zurück, habe erheblichen Nachholbedarf! Überall sei "frau" auf dem Vormarsch - nur die Kirche, letzter Hort eines überholten Patriarchalismus, habe dies alles noch nicht verstanden und schließe "frau" vom Wesentlichen aus.

 

 

Käme solche Kritik von außen, von Feinden der Kirche, würde sie niemand wundern. Aber dem ist nicht so: unisono ertönt diese Melodie aus den Grundsatzprogrammen und Publikationen der katholischen Frauenverbände. Diesen Verbänden, genannt seien hier nur die herausragendsten: der Katholische deutsche Frauenbund und die Katholische Frauen- und müttergemeinschaft, war es einmal Hauptanliegen, Frauen durch ihren Glauben zu ihrer aufopferungsvollen Tätigkeit in Familie und Beruf zu rüsten, sie durch den Zusammenschluß zu stärken. Frausein hieß in erster Linie Nachfolge Marias, deren Leben alle Formen und Phasen weiblicher Existenz umfaßt, Urbild der "Mutter Kirche" und von herausragend symbolhafter Bedeutung. Reste dieser ursprünglichen Ausrichtung finden sich noch als Firniß an der Oberfläche, etwa im "Gebet der katholischen Frauengemeinschaft", in dem Maria "Schirmherrin" genannt wird, - "frau" hat offenbar noch nicht gemerkt, was sie da sagt! - dies gibt dem Ganzen noch einen "katholischen" Anstrich. Schaut man aber genauer hin, so sieht man folgendes: Aus den katholischen Frauenverbänden sind Kampfverbände geworden, die religiös verbrämt die Frauen auffordern, "sich zum Sprachrohr ihrer Anliegen in Kirche und Gesellschaft zu machen", so die "Impulse 1987 zum Orientierungs- und Arbeitsprogramm 1979" der "Katholischen Frauen- und müttergemeinschaft Deutschlands (kfd)", Herausgeber kfd-Zentralverband, S. 3. Ziel soll es sein, die "Entwicklung der Gesellschaft zu fördern", die "Kirche mitzugestalten" durch "Befreiung aus einem überholten Rollenverständnis" (vgl. ebda). Zu diesem Zweck wird alles, wirklich alles, was sich der politische Feminismus auf die Fahnen geschrieben hat, in die Verbandsarbeit geholt, angefangen von Selbstfindung und -verwirklichung,, über "Dialogfähigkeit", Konfliktbearbeitung und -bewältigung bis zu "Gewalt gegen Frauen" und "Frauensolidarität", zu Drogen und Prostitution. Nichts bleibt "draußen vor", kein Problem ungenannt - die kfd als die eigentliche "Frauen-Partei" mit massiv politischem Anspruch.

Um Mißverständnissen vorzubeugen: es steht nicht in Frage, daß Frauen sich wie alle in unserer Gesellschaft an der Stelle, an der sie stehen, zugunsten ihrer Mitmenschen engagieren. Die eigentliche Frage ist die nach den Zielen dieser "Übernahmen", denn aufgepfropft auf diese Übernahmen aus dem politischen Feminismus, redet "frau" in der kfd Veränderungen in der Familie, der Ehe das Wort - nach dem "Referat" der katholischen Eheauffassung, wohl damit's nicht so auffällt, vorsichtig umschrieben. Man solle "die Augen vor den Lebens- und Beziehungskrisen nicht ... verschließen und mit den Betroffenen ... nach neuen Wegen suchen, wie auf der Grundlage des Evangeliums in unserer Zeit Ehe und Familie gelebt werden kann" (ebda S. 7). Weiter: die kfd wisse "um die Suche junger Menschen nach neuen Wegen er Lebensgestaltung", sie nehme "das Bemühen junger Menschen um Beziehungsentwicklung und -pflege ernst, sie sei "Dialogpartnerin", was im Klartext heißt, man akzeptiert offiziell Ehescheidung und eheähnliche Lebensgemeinschaften. Kritikern wird von vornherein der Wind aus den Segeln genommen. Ihr Verhalten sei lediglich bestimmt von "Abwehr" und "Unsicherheit". Sie seien "von Angst bestimmt, Gewohntes und Vertrautes aufgeben zumüssen", also psychisch defizient und unselbständig. Man müsse eben über dies alles reden, besonders "mit Priestern". Die kfd nennt dies den "Weg zur Partnerschaft".

Wirklich brisant wird es aber, wenn kfd ihre Vorstellung von "frau" in der Kirche entwickelt. "Frau "soll nicht nur ihre "weiblichen Glaubenserfahrungen" einbringen, sie soll sich "weiblicher Spiritualität", feministischer Theologie und "theologischer Frauenforschung" weit öffnen, indem sie die Bibel "mit den Augen einer Frau liest", ihre "eigenen Ausdrucksweisen und Formen des Glaubens entfaltet" und diese nicht nur "ins Gemeindeleben", sondern "besonders in die Gottesdienste" einbringt.

Jeder, der sich mit feministischer Theologie beschäftigt hat, weiß, daß hier auf dem Schleichweg die sog. "feministische" oder "Frauenliturgie" in die Kirche eingeführt werden soll, jene letztlich unsägliche Ausrichtung von "Liturgie" auf alle Stadien weiblichen Lebens, einschließlich Menstruation und Menopause, und ihre Umpolung des Gottesbildes zur "Großen Mutter-Göttin". In diesen Kontext gehört auch die Forderung nach Teilhabe der Frauen an der Verkündigung, nach ihrer Zulassung "zu allen Diensten der Kirche", natürlich zunächst des Weihediakonates, der Vorstufe zum Priestertum, dann aber auch die Forderung, daß "die Diskussion um das Priestertum der Frau weitergeht" und natürlich nach der "Predigterlaubnis fürLaien" (vgl. ebda S. 12).

Fast ist es schon überflüssig zu erwähnen, daß man anstrebt, "wiederverheiratet Geschiedene" zu den Sakramenten zuzulassen, daß man Ökumene - letztlich die aller Religionen, also Sykretismus - unterstützt und fördert, ebenso die Zusammenarbeit "mit Frauengruppen und Gemeinden in der Kirche anderer Länder und Kontinente" (vgl. ebda S. 13f.). Überflüssig ist es auch, auf den weiteren "Rundumschlag" über die "Zukunft der Gesellschaft" einzugehen, auf "weltweite Verantwortung und Sicherung des Friedens", und dies alles in "Dialogbereitschaft". Das "Papier" zeigt, wo es mangelt: vom Glauben selbst, dem Leben aus und nach ihm, vom Einfluß des gelebten Glaubens auf die nachfolgende Generation in Einheit mit Lehre und Praxis der Kirche, für den gerade wir Frauen in Verantwortung stehen, ist keine Rede. Statt dessen: "weltlicher" und "religiöser" Feminismus in explosiver Mischung, "Sprengstoff" für die Kirche.

Die aktuelle Lage:

Auf dem "Internationalen theologischen Fachkongreß" mit dem Titel "Diakonat - ein Amt für Frauen in der Kirche - ein frauengerechtes Amt?", 1.-4. April 1997 in Stuttgart, forderten die Teilnehmer massiv und harsch die dutschen Bischöfe auf, von Rom ein "Indult", also die kirchliche Erlaubnis zu erwirken, um "Frauen zu Diakoninnen in ihren Diözesen ordinieren", also weihen zu können als Mitglieder des Klerus. Die diesbezügliche Weigerung und Argumentation Roms sei endgültig als "sozio-kulturell bedingte, heute aber als theologisch nicht mehr verantwortbare ... entlarvt". Die Kirche müsse heute "um der Glaubwürdigkeit ihrer Heilssendung willen den Ausschluß der Frauen vom Diakonat aufheben. So setzt sie in ihrer Ämterstruktur ein notwendiges Zeichen für ein erlöstes Miteinander von Frauen und Männern". Um dies zu erreichen sollten die "Teilnehmerinnen und Teilnehmer" des Kongresses u.a. folgendes: "die katholischen Frauenverbände und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken" bitten, "ihren Einsatz zugunsten des Diakonats der Frau fortzusetzen und zu intensivieren". Sie bitten "das Netzwerk Diakonat der Frau, sich auf nationaler Ebene für die Koordination aller Kräfte für den Diakonat der Frau einzusetzen"; "das internationale Diakonatszentrum, Frauengruppen und Initiativen für den Diakonat der Frau auf internationaler Ebene zu vernetzen" usw.

Veranstaltet wurde dieser "Fachkongreß" von "der Katholisch-theologischen Fakultät der Eberhard Kalrs-Universität Tübingen, der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, dem Katholischen Deutschen Frauenbund, der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands und der Frauenkommission der Diözese Rottenburg-Stuttgart". Der Beschluß liegt dem Landesdelegiertentag des Katholischen Deutschen Frauenbundes Bayern, der am 18./19.6.1997 stattfindet, unter Top 8 zur Beschlußfassung vor.

Wenn es noch einen Beweis brauchte, wie "Pressure Groups" sich innerhalb der Kirche gegen eindeutige lehramtliche Entscheidungen, gegen den Papst und die ihm treu verbundenen Bischöfe mit "Graswurzeltechnik" durchzusetzen versuchen, so liegt er hier auf der Hand.

Die katholischen Frauenverbände haben den "con - sensus fidei" verlassen, sie bauen nicht mehr auf, sie reißen ein. Dabei dienen den "Führerinnen" ihre Positionen inerhalb der großen Traditionsverbände als Legitimation, die oft durchaus noch katholisch-gläubige Basis als Machtvehikel zu mißbrauchen. Es ist an der Zeit, über neue, dann wirklich katholische Frauenverbände nachzudenken.

© Gertrud Dörner, 1997

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